Meinung : Mit zweimal sechs zum Abitur Von Thorsten Metzner

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D as hat was: Brandenburg, Schlusslicht bei der PisaStudie, schafft die Gesamt- und Realschulen ab. Die Kinder werden nach der Grundschule entweder aufs Gymnasium wechseln – oder auf die neue „Oberschule“, in der die beiden zwischen SPD und CDU lange umkämpften Schultypen aufgehen. Oberschule à la DDR? Der Name ist eine Referenz an die Seelenlage der Ostdeutschen, mehr nicht.

Brandenburgs Schulsystem wird schlank und übersichtlich. Aber ein großer bildungspolitischer Wurf, ein Signal für andere, ist der Kompromiss nicht. Denn die Koalitionäre korrigieren damit falsche Weichenstellungen früherer Stolpe-Regierungen, und das reichlich spät. Ausgerechnet das dünn besiedelte Brandenburg hatte nach 1990 das am meisten zergliederte Schulsystem Ostdeutschlands eingeführt. Weil hunderte Schulen wegen des Geburtenknicks geschlossen werden, kann es ohne unzumutbar lange Schulwege von über 50 oder 60 Kilometer nicht aufrecht erhalten werden. Eine „Oberschule“ macht von allein den Unterricht nicht besser, kein Kind klüger. Da kann man nur hoffen, dass die Mammutreform – mehr Unterricht, mehr Leistungstests, Zentralabitur – bald Wirkung zeigt. Für die mutigste und heikelste Operation gaben die Koalitionäre jetzt grünes Licht: Nach der 6-jährigen Grundschule sollen die Schüler in nur sechs Jahren das Abitur ablegen. Die Gymnasiasten müssen täglich länger die Schulbank drücken, um den Stoff des eingesparten 13. Schuljahres zu schaffen. Brandenburg führt de facto Ganztags-Gymnasien ein. Das kann, weil der Trend überall zum 12-Jahre-Abitur geht, ein Beispiel für andere sein.

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