Mobbing im Netz : Medienkompetenz lehren statt zensieren

19.01.2012 00:00 UhrVon Stephan-Andreas Casdorff

Mit Befremden und Hilflosigkeit reagiert die Öffentlichkeit auf das Phänomen Cybermobbing. Dabei gelten bestimmte Regeln der Menschlichkeit analog wie digital. Alle - Eltern, Lehrer, Politiker und Schüler - müssen mehr lehren und lernen, als in den Büchern steht.

Die Anforderungen an die Erziehung haben sich vielleicht verändert. Eine Sache bleibt aber immer gleich.

Da ist es ein bisschen wie früher beim schnellen Reisen mit dem Düsenflugzeug, übrigens der ersten Globalisierung vor dem Internet: Das Herz kommt manchmal nicht mit. Erziehung bleibt aber auch Herzensbildung, das hat sich nicht geändert. Oder anders: Die Standards für das, was einen Menschen ausmacht, was Humanität ist, gelten analog wie digital. Das muss aber immer wieder allen klargemacht werden, und zwar jetzt auch auf den modernsten zur Verfügung stehenden Kanälen; wie sich an den Mobbingfällen zeigt.

So vieles findet unterhalb der bisher geltenden Wahrnehmungsschwelle statt, in Räumen im Netz, nicht in Klassenräumen. Wo früher aus dem Schulhof zwei, drei einen Mitschüler hänselten, können es heute virtuell zehn, zwanzig, hundert werden, die sich aus der vermeintlich Distanz heraus trauen. Auf dem Schulhof, von Angesicht zu Angesicht, gibt es das Phänomen immer noch, das andere kommt hinzu, insofern ist sogar von der Gefahr doppelten Mobbings zu sprechen. Wie die Angelegenheit dennoch beherrscht werden kann, das erfordert eine direkte Konfrontation mit dem Problem.

Zweifellos hat sich hier die Dimension geändert, und wir müssen uns um der Verantwortung für die Jungen willen auch ändern. Das erzwingt die Wirklichkeit. Häme, schauen wir auf die Schirme, wird doch geradezu ein soziales Genre. Respektlosigkeit gehört bald schon zum üblichen Ton. Viele Gründe also, mehr zu lehren und zu lernen, als in Büchern steht.

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