Möglicher Innensenator : Frank Henkel braucht mehr Gefühl als Härte

Frank Henkel als Berlins Innensenator – das wäre auf den ersten Blick so etwas wie erfüllte Publikumserwartung. Er könnte aber auch das Image der CDU generalüberholen.

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Könnte neuer Innensenator werden: Frank Henkel. Foto: dapd
Könnte neuer Innensenator werden: Frank Henkel.Foto: dapd

Kann er? Soll er? Muss er nicht sogar? Kaum eine Personalfrage des demnächst womöglich regierenden rot-schwarzen Berliner Senats scheint so leicht zu beantworten zu sein wie die nach dem künftigen Innensenator: Dessen Namen laute Frank Henkel, glauben viele. Dass Henkel das Amt ausfüllen würde, bezweifeln nicht mal die, die ihn nicht mögen. Ob er es übernehmen sollte, ist eine ganz andere Frage.

Einiges spricht dafür. Die Polizei wäre, politisch gesehen, bei der Union gut aufgehoben. Keine andere Partei hat schon lange vor dem Wahlkampf mit gewerkschaftlich-gehämmerter Prosa das Lied der „von Rot-Rot kaputtgesparten“ Polizei gesungen. In den nun wohl anbrechenden Zeiten rot-schwarzen Sparens täte ein Senator der Polizei sicher gut, der seine Karriere als innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion begonnen und in Sachen Recht und Ordnung immer gern ausgeteilt hat. Wenn schon kein Geld für die Polizei vorhanden ist, darf es an öffentlich bekundetem Mitgefühl nicht fehlen.

Innensenator Henkel – das wäre auf den ersten Blick so etwas wie erfüllte Publikumserwartung. Mit kalkulierbarem Mehrwert für Henkel, der gewiss noch mehr vorhat als „Senator“. Ein Innensenator, der glaubwürdig und authentisch ist, wird sich um seine Popularität wenig Gedanken machen müssen. Das zeigt das aktuelle Lehrbeispiel für gelungenes Innensenatorentum – Ehrhart Körting. Die jüngere Kriminalitätsgeschichte hat Körtings guten Ruf nie beschädigen und seine Beliebtheit nicht mindern können. Das gilt für den Pegel an Gewaltkriminalität in der U-Bahn, für die Autos, die in Berliner Nächten in großer Zahl brennen, für die Nicht-Abschiebbarkeit von kriminellen Clan-Mitgliedern und für jenes Maß an Verwahrlosung, das zu normal und zu unbedeutend ist, um im Senat wahrgenommen zu werden. Körting, nachdenklich und geistvoll, wie er ist, fand stets die richtigen Worte für alle kriminellen Aufreger in der Stadt, auch wenn er nicht genug Personal auf die Strecke schicken konnte, um etwas zu ändern.

Acht Fragen an Frank Henkel
Der 48-jährige Spitzenkandidat der Christdemokraten Frank Henkel ist in Berlin geboren. Seit Herbst 2008 ist er sowohl Fraktionschef im Abgeordnetenhaus als auch Landesvorsitzender. Acht Fragen an den Spitzenkandidaten der CDU, Frank Henkel. Foto: dpaAlle Bilder anzeigen
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13.09.2011 18:11Der 48-jährige Spitzenkandidat der Christdemokraten Frank Henkel ist in Berlin geboren. Seit Herbst 2008 ist er sowohl...

Die Frage ist, ob sich Henkel damit zufriedengeben dürfte – oder ob einer, der im Wahlkampf ironisch-zynisch gefragt hat, ob Berlin auch brennende Autos verstehen müsse, der gefühlten Unsicherheit nicht robuster begegnen müsste als ein Körting. Erwartet nicht die eigene Anhängerschaft, dass Henkel nun, wie versprochen, aufräumt in Berlin? Muss der CDU-Vormann jetzt nicht Wahlkampfversprechen erfüllen?

Zweifel sind angebracht, ob die 371 201 amtlich festgestellten CDU-Wähler tatsächlich eine Art Polizist im Anzug in diesem Amt sehen wollen. Körting hat auch in dieser Hinsicht Zeichen gesetzt: Ein Innensenator, der in die Moscheen gegangen ist und darüber nicht groß redete; der sich von keinem integrationspolitischen Streit in die Enge hat treiben lassen; der Entschiedenheit mit Liberalität zusammengebracht hat – das hätte was, wenn ein CDU-Politiker auf dieser Spur weitermachte.

Für die CDU, wenn sie denn mitregiert, stecken Möglichkeiten im Innenressort, über alte Klischees hinaus. Unter anderem die, ein städtisches Publikum zu erreichen, das Graffiti und brennende Autos ärgerlich findet, aber nicht beängstigend.

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