Mon Berlin : Mein Leben mit den Windsors

Jedes Mal war Pascale Hugues dabei, wenn ein englischer Royal heiratete. Natürlich wird sie auch die Trauung von Prinz William und Kate Middleton verfolgen.

Pascale Hugues
30 Jahre nach der Trauung von Prinz Charles und Lady Diana steht im Hause Windsor eine neue Traumhochzeit bevor: Nach jahrelanger Bindung und heimlicher Verlobung wird Prinz William seine Freundin Catherine "Kate" Middleton heiraten. Die Hochzeit findet am 29. April 2011 in der Kirche Westminster Abbey statt.Weitere Bilder anzeigen
Foto: AFP
16.11.2010 18:2730 Jahre nach der Trauung von Prinz Charles und Lady Diana steht im Hause Windsor eine neue Traumhochzeit bevor: Nach jahrelanger...

Ja, ich war jedes Mal dabei! Die Ersten waren Prinzessin Anne und Mark Phillips. Das war 1973. Meine Schulfreundin und ich sahen im Fernsehen, wie die groß gewachsene Prinzessin mit dem Pferdegebiss und dem Mary-Poppins-Knoten ihrem Leutnant den Ring an den Finger steckte. Was diese beiden verband: die Liebe zu den Pferden. Auf dem Teppich im Salon wälzten wir uns vor Lachen. Das war vor 37 Jahren. Wir wollten die Welt verändern. Unsere Märchenprinzen damals hießen Che Guevara, Louis Aragon, Jacques Brel.

Dann kamen Prinz Charles und Lady Diana. Mitten in einem menschlichen Ozean lagerten wir am 29. Juli 1981 auf dem Rasen des Hyde Park, aßen kleine dreieckige Gurkensandwichs und erhoben unsere Plastikbecher mit Champagner auf das Wohl des jungen Paares. Wir waren Studenten und beobachteten spöttisch, wie der tölpelhafte Prinz mit den Segelohren auf dem Balkon des Buckinghampalastes die Lippen spitzte, um diese junge Landpomeranze zu küssen. Dazu ihre Helmfrisur, die die Figaros im ganzen Land nachzumachen versuchten. Am Abend zuvor hatten die beiden Turteltäubchen auf einem Seidenkanapee der BBC anvertraut, „a good sense of humour“ und die Liebe zu „outdoor activities“ würde sie verbinden. Spätestens da hätte man sich denken können, dass da etwas schieflief. Als Erinnerung an die Hochzeit kaufte ich ein monströs kitschiges Tablett. Seit 29 Jahren lächeln die von einer Rosengirlande eingerahmten Gesichter von Charles und Di mir beim Frühstück zu.

Bei Andrew und Fergie, 23. Juli 1986, lebte ich als junge Journalistin in London. Diese Hochzeit war mein erster (und letzter) Versuch der Hofberichterstattung. Prinz Andrew heiratete die Tochter seines Polomanagers, eine sinnliche Rothaarige, die ein paar Jahre später einem anderen statt ihres royalen Ehegatten das Vergnügen gönnen würde, ihr am Swimmingpool an den Zehen zu knabbern. Aus der vergoldeten Tasse zum Andenken an diese fluchbeladene Vermählung in der Westminster Abbey trinke ich seit 24 Jahren meinen Nachmittagstee. Und sogar für Prinz Charles und Camilla habe ich mehrere Stunden vor dem Fernseher verbracht. Eine Hochzeit, die mich nicht zum Träumen verführen konnte. Diesmal also kein Souvenir.

Aus meinen Jahren in England ist mir etwas Zärtlichkeit für die Royal Family geblieben. Ja, ich schäme mich für das Geständnis: Ich war ein Fan von Queen Mum, ihren unsäglichen Kopfputz mit all den Federn und Schleierchen, ihren gelben Zähnen und ihrem Dauerlächeln. Ich verehre die in ihrem gepuderten Gesicht ganz erstarrte Queen. Ich liebe ihre giftgrünen Mäntelchen, ihre Tweedröcke, ihre Handtäschchen und ihre Corgies. Ich schwärme für diese Stimmen, ganz Glucksen, ganz Diphthong, die makellose Upper-Class-Aussprache, die Parforcejagden, die im Grünen nistenden Tudorlandsitze, die Polopartien, den Sherry am Kamin, die wohltätigen Werke, die Erdbeeren mit Sahne und die Blumenarrangements, die Kutschen und die Uniformen. Bis heute schnürt es mir schon die Kehle zu, wenn ich nur die ersten Akkorde von „Land of Hope and Glory“ höre. Oh Mann! Sehen die von und zu Guttenbergs mickrig aus dagegen!

Ich bin Bürgerin eines Landes, das seinen König guillotiniert hat. Zugegeben, umso verdächtiger ist meine selige Begeisterung für die antiquierte „comedy of manners“ jenseits des Ärmelkanals. Ich gebe auch zu, dass meine Ankunft in der Meritokratie Deutschland eine Erleichterung war. Endlich ein Land, in dem die soziale Herkunft sich nicht durch den Akzent verrät, in dem die Schulen öffentlich sind, in dem die Kinder von Metzgern und Putzfrauen die Chance haben, auf der sozialen Leiter nach oben zu klettern, und in dem man kein Zertifikat für die Jungfräulichkeit braucht, wenn man den Bundespräsidenten heiraten will. Man darf sich sogar ein proletarisches Tattoo auf der Schulter erlauben.

Und doch, wenn ich mir die schrillen Promis, die Eintagsstarlets, die Paillettensternchen ansehe, die lärmende und ordinäre kleine Welt, die über die deutschen Bildschirme defiliert, dann ergreift mich die Nostalgie nach dieser zugeknöpften Royal Family, ihrem rührenden Gehabe am Rand der Lächerlichkeit. Mein ganzes Leben wurde von den Windsors begleitet, und ich bin nicht bereit, sie fallen zu lassen. Übrigens werde ich auch die Trauung von Prince William und Kate Middleton in London verfolgen. God save the Queen und ihre giftgrünen Mäntelchen.

Aus dem Französischen übersetzt von Elisabeth Thielicke.

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