Mon BERLIN : Nun sind Charles, Diana und Camilla langweilig

Pascale Hugues, Le Point

Bitte, nicht noch mal! Nicht heute Morgen! Nicht zur Frühstückszeit! Nicht als Einstieg ins Wochenende! Nicht die! Nicht Sarko und Carla! Das ist das letzte Mal, versprochen, dass ich eine Glosse über die beiden Turteltäubchen aus dem Ärmel schüttele.

Vorige Woche in einer Gondel, die mitten in den Dolomiten an ihrem Seil entlanggleitet: Sieben Menschen über dem Nichts. Drei Italiener, ein Däne, zwei Engländer und ich. Eine wahre europäische Wiege. Die Italiener, laut, klein, rund, schweißgebadet unter ihren Helmen, sprechen von Sarkozy. Der Name meines Präsidenten ertönt wie ein alpines Echo und springt von Gipfel zu Gipfel. „Sarrrkoozyyy“ … Seit unserer Ankunft wird über nichts anderes gesprochen: an den Tischen im Hotelrestaurant, im Fahrstuhl, im Dampf des türkischen Bades, spät in der Nacht beim Grappa in der Bar – und 300 Meter über der Erde in der Seilbahn.

„Und Carla Bruni?“ Ich bin es, die ganz harmlos fragt. So werfe ich meinen schönen Angelhaken aus, um zu sehen, was passiert. Gierig schnappen die drei Italiener zu. „Ahhh … la Bruni … è bella … la Bruni!“ La Bruuuniii erfüllt das ganze Tal. Diese Herren stoßen lange sehnsuchtsvolle Seufzer aus. Wie bettelnde Cockerspaniels blicken sie drein. Und ich habe das Gefühl, dass sie, würde die Bruni sich wollüstig auf dem Rücksitz eines Lancia räkeln, alle drei erstarren würden, Opfer einer blitzartigen kollektiven Herzattacke. Der Däne ist da eher nüchtern. „Wenn man daran denkt“, so führt er aus, „dass ein pubertierender Psychopath mit einem Knopfdruck die Atombombe auslösen kann, falls ihm gerade danach ist!“ Die Italiener verstehen nicht so recht, worauf dieser große lutherische Moralapostel aus dem Norden hinaus will. È bella la Bruni! Dumm wäre es, wenn Sarko auf sie verzichten würde.

Die Kabine gleitet an einem Mast vorbei und schaukelt durch das Blau des Himmels. Wir gehen zusammen ganz Europa durch. Die Italiener machen sich über ihren Prodi lustig, dessen Herz eine solche Sexbombe nicht überleben würde. Die Engländer sind ein bisschen beleidigt. Gegen Sarko und Carla nimmt sich die Ménage-à-trois Charles, Diana und Camilla plötzlich ziemlich unscheinbar aus. Der Däne bedauert weiterhin die fehlende politische Moral der Franzosen. Und die Deutschen schweigen. Sie haben nichts zu sagen. Ich bin es, die an ihrer Stelle spricht. „Und Angela Merkel?“ Die Deutschen ziehen die Schultern ein. Sie tun so, als ob sie gar nicht da wären. Sie erwarten einen Hagel von sarkastischen Kommentaren. Aber aus der überraschten Kabine ertönt ein gerührtes „Ahhh“. Die drei Italiener, der Däne, die beiden Engländer und sogar ich, die Französin mit ihrem feurigen Präsidenten und seiner Bruni, wir alle singen im Chor: „Ahhhhh … La Merkel!“ Man spürt große Bewunderung für die Zurückhaltung der Kanzlerin. Man hätte auch gern einen Präsidenten, der seine Liebesspiele diskret auf den Alkoven beschränken würde. „Kein ,Casino‘, kein Bordell in Deutschland, wie bei euch!“, sagt der Italiener und wirft mir einen finsteren Blick zu. Er zeigt mit dem Finger auf mich. Und ich fühle mich schuldig. Wir sind am Gipfel angelangt und steigen aus. Jeder schnallt seine Skier an und steuert auf den Abhang zu.

Ein paar Tage später sitze ich in Berlin in meinem tiefen Sessel versunken. Ich lese die Zeitungen. „Ich war der Innenminister, über den am meisten gesprochen wurde. Zurzeit bin ich der Präsident, über den am meisten gesprochen wird. Was kann ich dafür?“, beklagt sich Nicolas Sarkozy in „Le Parisien“. Laut Meinungsumfragen verliert Sarkozy an Beliebtheit. Die Franzosen haben genug von dieser ständigen Zurschaustellung seines Privatlebens. Die Medienmaschine dreht durch. Basta! Ich lege die Zeitung weg.

Aber was höre ich da, was bricht sich an der Hausfassade gegenüber? Welcher Lärm dröhnt durch die stille Schöneberger Straße? Sarrrkooozyyy. La Bruuuniii. Hier sind sie wieder. Sie sind bis nach Berlin gekommen. Sogar in meinem tiefen Sessel lauern sie mir auf.

Aus dem Französischen übersetzt von Elisabeth Thielicke.

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