Mon Berlin : Was Männer mögen: Brüste, Muskeln – und den „Panzer III“

Pascale Hugues[Le Point]

Im Sommer fiel mir im französischen Fernsehen ein Werbeclip ins Auge. Jeden Abend zwischen Peking, Wetter und Abendkrimi übernahm ein deutsches Panzerbataillon den Bildschirm. Nein, es handelt sich nicht um einen Trailer für einen Kriegsfilm, sondern um Werbung für „Panzer“ (pansèèèr ausgesprochen), ein neues Modellbaumagazin, dessen Abonnenten deutsche Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg sammeln können.

„Entdecken Sie die wichtigsten Waffen für die strategische Offensive des deutschen Oberkommandos: den ,Blitzkrieg’“, sagt eine männlich-raue Stimme. Und der von Ferdinand Porsche entworfene Jagdpanzer mit seiner gewaltigen 88-mm-Kanone rollt auf mich zu. Im Weltkrieg wurde der Panzer III an allen Fronten eingesetzt, und nun dröhnt er durchs Esszimmer. „Die Kollektion wird von den bedeutendsten Experten für den Zweiten Weltkrieg geprüft“, erläutert die Stimme aus dem Off.

Im Zeitungsladen findet sich „Panzer“ in der Ecke für Männer. Zwischen „Playboy“ und „L’Equipe“, der französischen Sportzeitung. Zwischen einem Paar nackter Brüste und einem – natürlich französischen – Medaillengewinner, der die Arme triumphierend in den chinesischen Himmel reckt. Busen, Muskeln, Panzer, das ist etwas für Männer! Ich stelle mir die Herren im Anzug vor, wie sie im Salon hocken und ihren Panzer über die sanft gewellten Hügel des Perserteppichs klettern lassen. Die Verkäuferin sagt mir, dass das neue Magazin sich verkauft wie warme Semmeln.

Ein paar Meter weiter stehen die ausländischen Zeitungen im Regal. „GQ“, ein englisches Heft für Männer, zeigt auf der Titelseite eine laszive Rothaarige, die Hand zwischen den Schenkeln, das beeindruckende Dekolleté dem Objektiv des Fotografen entgegengestreckt, die Lippen halb geöffnet zu einem ekstatischen Seufzer. „Girl gone wild!“, schreit das Magazin. „Anscheinend sind die Rothaarigen am sexbesessensten!“ Auf Seite 142 finde ich die Panzer wieder. Eine Reportage über die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. „Alle Männer“, so der Verfasser, „sollten zu den Schlachtfeldern an der Somme pilgern.“ Der Autor ist mit seinen beiden Kumpels auf einen Wochenendtrip gegangen: abends Bier, tagsüber die heiligen Stätten der Grande Guerre. Er nennt seine Reise „historical self-improvement“. Er sagt, die Somme sei für Männer in der Midlife-Crisis eine ganz besondere Erfahrung. Hier fielen 1916 Tausende englischer Soldaten.

Der ersten Nummer des „Panzer“ liegt ein Geschenk bei: im Maßstab 1:72 ein Modell des Panzerkampfwagens Tiger P, den die Wehrmacht 1944 im italienischen Anzio einsetzte. Ein lächerliches kleines Plastikgerät, das eher an eine Parmesanreibe als an ein furchterregendes Sturmgeschütz denken lässt. Ich bin fassungslos. Die Kinder sind begeistert. „Das könnten wir doch als Souvenir nach Berlin mitnehmen!“, ruft der Kleine, er findet das einfach genial. Wie ein geplatzter Luftballon scheint sein Gesicht zu schrumpfen, als ich ihm klarzumachen versuche, dass das keine so gute Idee ist, dass dieser Krieg für viele Menschen mit schrecklichen Erinnerungen verbunden ist und besonders für die Deutschen, und dass wir den Panzer Tiger P ganz bestimmt nicht ins Regal im Wohnzimmer stellen werden.

Ich stelle mir das Entsetzen unserer deutschen Freunde vor. Wie schwer es doch ist, einem Kind zu erklären, was schlechter Geschmack ist! In den Augen des Kleinen ist das ein weiteres idiotisches Verbot. Seit Jahren weigere ich mich, ihm eines der riesigen fluoreszierenden Maschinengewehre aus Plastik zu kaufen, die Rambo-Version der harmlosen Wasserpistole in meiner Kindheit. Plötzlich entdeckt der Kleine oben auf dem Regal einen heiteren und politisch wesentlich korrekteren Donald Duck. Der Junge strahlt. Schon ist der Pansèèèr vergessen. Ich atme auf.

Aus dem Französischen übersetzt von Elisabeth Thielicke.

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