Montblanc im Parlament : Ohne Herz, ohne Maß

68.800 Euro haben 115 Bundestagsabgeordnete für schicke Stifte und Füller ausgegeben - aus Steuergeldern

Malte Lehming

Nehmen wir das „Meisterstück 149“ von Montblanc. Das ist ein Füllfederhalter aus schwarzem Edelharz und Gold. Die Bundestagsverwaltung hat jetzt Folgendes bestätigt: Gegen Ende der vergangenen Wahlperiode haben 115 Bundestagsabgeordnete für insgesamt 68 800 Euro 396 Füller und Stifte der Nobelmarke „Montblanc“ gekauft. Von Steuergeldern! Mehrere Abgeordnete bestellten, obwohl sie aus dem Parlament ausschieden, gleich mehrere goldene Füller. Das macht im Durchschnitt 600 Euro pro Abgeordneten und 170 Euro pro Stift. Ein Montblanc ist etwas sehr Wertvolles. Die Firma arbeitet eng mit dem Kinderhilfswerk Unicef zusammen. Von dort kommt diese Meldung: In Mosambik ist fast jeder sechste Bewohner zwischen 15 und 49 Jahren HIV-positiv, das sind 1,5 Millionen Menschen. Mehr als 500 000 Kinder haben bereits ihre Mutter oder beide Eltern durch Aids verloren. Und jedes Jahr kommen 35 000 Neugeborene HIV-positiv zur Welt. Sechs Euro kostet der wichtigste Hygienebedarf für die Pflege Erkrankter (Wassereimer, Schale, Seife, Desinfektionsmittel). Für 80 Euro im Jahr kann Unicef zehn HIV-positive Kinder mit Antibiotika gegen Infektionen versorgen. 80 Euro, das ist ungefähr ein halber Montblanc. Diese 115 Parlamentarier haben jedes Maß verloren. mal

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben