Mord an israelischen Jugendlichen : Die Fundamentalisten haben gesiegt

Der Mord an den drei israelischen Jugendlichen ist eine grausame, eine zutiefst unmenschliche Tat. Die kommenden Wochen werden eine neue Welle der Gewalt im Nahen Osten bringen. Ein Kommentar.

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Trauer in Israel. Nachdem die Nachricht bekannt wurde, dass die drei vermissten Jugendlichen ermordet worden waren, haben sich in mehreren israelischen Städten Menschen zum Trauern versammelt.
Trauer in Israel. Nachdem die Nachricht bekannt wurde, dass die drei vermissten Jugendlichen ermordet worden waren, haben sich in...Foto: AFP

Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Die drei jüdischen Jugendlichen Gilad, Eyal und Naftali sind tot. Erschossen wohl schon am Tage ihrer Entführung vor fast drei Wochen. Die Teenager – davon muss man ausgehen – hatten keine Überlebenschance. Die Kidnapper haben vermutlich von Anfang an vorgehabt, die Schüler zu ermorden. Eine grausame Tat, eine zutiefst unmenschliche. Für so etwas gibt es keine Rechtfertigung sondern nur Verachtung.

Der Zorn der Israelis ist groß

Wer die Mörder waren, das wissen wir bislang nicht mit letzter Sicherheit. Die Regierung in Jerusalem allerdings ist überzeugt davon, dass zwei Mitglieder der radikalislamischen Hamas hinter dem Verbrechen stecken. Und das wird Folgen haben – für den jüdischen Staat, das Westjordanland, den Gazastreifen und für die Menschen, die dort leben. Denn der Zorn vieler Israelis, die noch vor einem Tag für die unversehrte Heimkehr der drei Jugendlichen gebetet haben, ist groß.

Diese Tat darf nicht ungesühnt bleiben, davon sind sie überzeugt. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und seine Minister schwören bereits Rache. Egal, wer die Mörder waren, ein perfides Ziel haben sie damit auf jeden Fall erreicht: So unversöhnlich, so feindlich, so hassend standen sich die beiden Völker, Israelis und Palästinenser, schon lange nicht mehr gegenüber. Und der Tod der drei Schüler wird die Fronten nochmals verhärten. Auch wenn das schwer vorstellbar scheint.

Vor einem Einmarsch in den Gazastreifen?

Doch die Region wird in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten wieder eine Welle der Gewalt erleben. Den erklärten Feinden des jüdischen Staates, den Islamisten der Hamas, hat Israel mehr oder weniger bereits den Krieg erklärt. Schon fliegen die Kampfjets und bombardieren strategisch wichtige Ziele. Und es ist keineswegs ausgeschlossen, dass Israels Armee in den Gazastreifen einmarschieren wird – um ein Exempel zu statuieren.

Das mag man vom kuscheligen Deutschland aus als Überreaktion verurteilen. Gewalt, die Gegengewalt erzeugt. Doch was soll Israel denn anderes tun? Einfach den Terror unbeantwortet hinnehmen? Den Tod der Jugendlichen schulterzuckend akzeptieren? Das wäre zu viel verlangt, von einem Land, das ohnehin ständig um die Sicherheit seiner Bürger fürchten muss. Als am Wochenende in Israel die Sommerferien begannen und viele Kinder auf den Straßen waren, nutzten Extremisten die Situation, um vom Gazastreifen aus Dutzende Raketen in Richtung Feind abzufeuern. Ein kriegerischer Akt.

Es gab vernünftige Friedensgespräche

Dabei sah es noch vor einigen Monaten gar nicht so schlecht aus für Frieden im Nahen Osten. Unter der Vermittlung der USA gab es zeitweise vernünftige Gespräche. Doch letztendlich setzten sich die Fundamentalisten auf beiden Seiten durch. Diejenigen, die nichts, aber auch gar nichts von einer einvernehmlichen Lösung des Konflikts halten, sondern allein auf Konfrontation setzen. Die Mörder von Gilad, Eyal und Naftali haben diesen Kräften in die Hände gearbeitet.

Für Abbas geht es um das politische Überleben

Und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas? Für ihn wird es in den kommenden Wochen schlicht ums politische Überleben gehen. Sollte tatsächlich die Hamas hinter dem Mord an den israelischen Jugendlichen stecken, muss er die Einheitsregierung mit den Islamisten auflösen. Anderenfalls werden ihm Europa und die USA jegliche Unterstützung entziehen. Doch selbst, wenn die Täterfrage ungeklärt bleiben sollte, wird Abbas sich zu rechtfertigen haben – vor seinem eigenen Volk. Denn viele Palästinenser werfen ihm vor, gegenüber Israel zu kompromissbereit zu sein.

Doch das Schicksal eines Mahmud Abbas wird womöglich schnell in den Hintergrund treten. Denn nach dem gewaltsamen Tod der israelischen Schüler stehen im Nahen Osten die Zeichen auf Sturm. Vielleicht wird es sogar ein Orkan.

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