• MUAMMAR AL-GADDAFI, LIBYENS REVOLUTIONSFÜHRER:: „Wir brauchen eine weibliche Revolution“

MUAMMAR AL-GADDAFI, LIBYENS REVOLUTIONSFÜHRER: : „Wir brauchen eine weibliche Revolution“

Bei seinem Staatsbesuch in Italien stiehlt Muammar al-Gaddafi Silvio Berlusconi die Show: Eine Parodie, die viel über das veränderte Machtverhältnis zwischen Libyen und der alten Kolonialmacht sagt.

Paul Kreiner
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Foto: dpa

Silvio Berlusconi hat seinen Meister gefunden: Muammar al-Gaddafi hat ihn als obersten Showstar der italienischen Politik ausgestochen. Da kam er an, der libysche Revolutionsführer, in einer Fantasieuniform, übersät mit Klunkern wie ein Weihnachtsbaum und pflanzte sein Luxus-Beduinenzelt in die größte römische Parkanlage wie Berlusconi seine Villa an die teuerste Küste Sardiniens.

Umgibt sich Berlusconi gern mit blutjungen, langbeinigen Showgirls, lässt sich Gaddafi gleich von einer ganzen Leibgarde gut gebauter Frauen begleiten. Und während Berlusconi pikante Fotos beschlagnahmen lässt, defilieren Gaddafis „Amazonen“ fröhlich wie Models auf dem Laufsteg. Gaddafi hatte gefordert, in seinen dreitägigen Staatsbesuch eine „Begegnung mit der weiblichen Elite des Landes“ aufzunehmen. Und so geschah es: 1000 Frauen, Unternehmerinnen, Ministerinnen, Intellektuelle strömten zum Vortrag des 66- oder 67-jährigen Libyers und hörten sich an, wie dieser eine „weibliche Revolution“ in der Welt forderte. Ein derartig großes Frauenpublikum hat selbst Berlusconi noch nie um sich scharen können.

Vor dem italienischen Parlament sagte Gaddafi, Parteien seien eine „Fehlgeburt der Demokratie“, man solle das Volk regieren lassen, dann brauche es auch keine Wahlen mehr. Und: „Wenn ihr so viele tausend Ausländer ins Land lasst, braucht ihr zu eurem Schutz irgendwann einen Diktator.“ Die Proteste aus der italienischen Politik fielen schändlich verhalten aus. Berlusconi selbst sagte lediglich, der Gaddafi, der sei „halt ein Original“. Womöglich hat Berlusconi in den Sätzen des Libyers das wiedererkannt, worauf er selbst dauernd anspielt, was er sich aber so holzschnittartig nie zu sagen traut.

Dass Berlusconi den Freundschaftsvertrag zwischen Tripolis und Rom trotz aller Provokationen des Libyers als „Brücke zur Zukunft“ feiert, zeigt, wie viel sich Gaddafi herausnehmen kann: Er weiß, dass Italien ihn mehr braucht als er die ehemalige Kolonialmacht – nicht zuletzt bei der Abwehr illegaler Immigranten.

Am Ende des Besuchs sah sich Berlusconi („hinter mir stehen 75 Prozent der Italiener“) von seinem Gast auch noch beim Bad in der Menge getoppt: Ein nächtlicher Bummel durch Roms Altstadt – und Gaddafi war umringt von Neugierigen und Bewunderern. Ob der Libyer es darauf angelegt hat, weiß keiner: Aber eine deftigere Parodie war in Italien schon lange nicht mehr zu sehen: Berlusconi einmal ohne Make-up. Paul Kreiner

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