Mubarak wird freigelassen : Arabischer Herbst

Noch darf Hosni Mubarak das Gefängnis nicht verlassen. Doch man braucht kein Hellseher zu sein, um zu ahnen, dass es die Staatsanwälte in dem aufgeheizten innenpolitischen Klima nicht wagen werden, dem Ex-Diktator den Freigang noch zu verwehren. In Ägypten ist eine erste hochsymbolische Zwischenbilanz der am 30. Juni ausgerufenen „Zweiten Revolution“ zu besichtigen. Der gewählte Präsident Mohammed Mursi sitzt hinter Gittern, sein durch den Arabischen Frühling gestürzter Vorgänger Hosni Mubarak läuft wieder frei herum. Der Chef der Muslimbruderschaft wurde verhaftet – ein Schritt, den selbst Mubarak nie gewagt hätte. Und in den vergangenen acht Tagen erlebte Ägypten die blutigsten Massaker von Sicherheitskräften in seiner modernen Geschichte. Trotzdem ziehen zahllose Repräsentanten ägyptischer Kleinparteien durch die Medien und rechtfertigen das blutige Drama als notwendige „Reinigung des Volkskörpers“. Mubaraks Entlassung könnte ihnen jetzt die Augen öffnen. Was sie dann sehen, ist nicht mehr ihre angeblich von der Armee gerettete Revolution von 2011, sondern die Wiederkehr des Mubarak-Staates im neuen, eisernen Gewand. M.G.

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