Meinung : Müllkippe Meer: Kein Betriebsunfall

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Wie gut, dass der Tanker "Ievoli Sun" gesunken ist. Das bringt dramatische Bilder. Und macht auf einen Zustand aufmerksam, der kein Einzelfall, sondern der Normalfall ist. Die Vorstellung, jetzt erneut verklebte Vögel, vergiftete Fischen oder giftigen Schaum auf dem Meer zu sehen, erinnert daran, dass die wirkliche Katastrophe schon seit langem eingetreten ist. Und zwar nicht aufgrund eines einzelnen Betriebsunfalls, sondern aus Nachlässigkeit und Vorsatz: Seit Jahrzehnten gehört es für viele Konzerne und Anrainer-Staaten zum Alltag, ihren giftigen Müll still und heimlich in Nordsee und Ärmelkanal zu entsorgen. Nach Angaben von Greenpeace leiten alleine die Bohrplattformen der Öl- und Gaskonzerne jährlich 100 000 Tonnen giftigen Chemikalien in die Nordsee - routinemäßig. Und auch das Auswaschen von Schiffstanks auf dem viel befahrenen Ärmelkanal ist für viele Frachterbesatzungen immer noch selbstverständlich. Im aktuellen Fall zieht sich der Shell-Konzern darauf zurück, dass es bei Orkanen nun einmal zu Unfällen kommen kann. Das ist mehr als nüchtern, eher zynisch. Denn der Sturm kam nicht überraschend. Wer einen mit giftigen Chemikalien beladenen Frachter bei solchem Wetter auslaufen lässt, der handelt zumindest grob fahrlässig. Der Ärger darüber darf aber nicht davon ablenken, dass der eigentliche Skandal eben kein Betriebsunfall ist. Es ist der Alltag.

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