Münchner Sicherheitskonferenz : Afghanistan, Obama und wir

Vielleicht ist Deutschland hinsichtlich Afghanistan seit dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama sogar in einer heikleren Lage als früher, denn Freunden schlägt niemand gern einen Wunsch aus.

Ingrid Müller

Es hat den Anschein, als wehe wirklich ein neuer Wind aus Washington. Sicher wollen die Amerikaner bei dem für Deutschland besonders wichtigen Thema Afghanistan nicht bei Null anfangen. US-Präsident Barack Obama hat längst angekündigt, dass er 30 000 weitere Soldaten an den Hindukusch schicken will. Aber es spricht für einen neuen guten Geist, wenn etwa der aktuelle Sicherheitsberater und frühere Nato-Kommandeur James Jones öffentlich einräumt, dass es ein strategischer Fehler gewesen sei, vor allem auf die militärische Komponente gesetzt zu haben.

Bis zum Nato-Jubiläumsgipfel im April soll nun eine neue Strategie stehen. Erst am Ende all der Gespräche wird sich zeigen, wie tragfähig die neue Flexibilität und der Pragmatismus wirklich sind, die Washington der Welt in München auf der Internationalen Sicherheitskonferenz präsentiert hat. Vielleicht wird es etwas länger dauern, um zu sehen, ob Amerika sein Versprechen einhält, künftig partnerschaftlich vorzugehen.

Doch wer Flexibilität und Partnerschaft diesseits des Atlantiks in Anspruch nehmen will, muss sie selbst an den Tag legen. Es tut den Deutschen sicher gut, dass nun endlich jenseits des Atlantiks eingesehen wurde, wie wichtig es ist, dass ziviler Aufbau und Sicherheit zusammengehören. Und der Dank an Deutschland aus dem Mund von General Petraeus hört sich gewiss freundlicher an als die Rede von Verteidigungsminister Gates vor einem Jahr an dieser Stelle. Aber es wird nicht reichen, wenn die Bundesregierung immer bloß wiederholt, dass sie gerade erst die Truppenstärke in Afghanistan erhöht hat und schon immer für eine vernetzte Sicherheit war.

Nein, auch Deutschland wird Flexibilität und Pragmatismus entwickeln müssen. Das heißt, die Regierung sollte dringend über neue Konzepte nachdenken. Bisher wird vor allem über die Zahl der Soldaten geredet. Das greift zu kurz. Könnte es nicht auch Änderungen am Mandat geben? Können deutsche Soldaten außerhalb des heute weitgehend auf den Norden beschränkten Bereichs Dienst tun und wo? Gibt es Möglichkeiten, Ausrüstung zu finanzieren? Wie weit kann deutsche Wiederaufbauhilfe in andere Teile Afghanistans fließen – und sind Mitarbeiter bereit, in die eindeutig schwierigeren Regionen zu gehen? Das sind die Fragen, die jetzt diskutiert werden müssen. Die Idee, mehr für die Polizeiausbildung zu tun, ist sicher ein guter Schritt. Denn bei der Ausbildung der Polizei hat die internationale Gemeinschaft kein gutes Zeugnis verdient. Auch die Deutschen haben sich da nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Die Debatte um den Einsatz in Afghanistan wird weder auf internationaler noch auf nationaler Ebene einfacher. Es wäre allerdings viel gewonnen, wenn sie offener, ehrlicher und mit mehr Verständnis geführt würde. Vielleicht ist Deutschland jetzt sogar in einer heikleren Lage als früher, denn Freunden schlägt niemand gern einen Wunsch aus.

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