Mursi und Ahmadinedschad : Bruderküsse

Wenn das keine Provokation Berlins ist, eine nachträgliche. Mahmud Ahmadinedschad besucht Kairo, er kommt zum islamischen Gipfel und zum ersten Besuch eines iranischen Staatschefs in Ägypten seit der Revolution im Iran 1979. Abgebrochen waren die Beziehungen zu Kairo außerdem seit 1980, wegen des Friedensvertrags mit Israel. Jetzt wird Ahmadinedschad von Mohammed Mursi sowohl mit allen militärischen Ehren als auch mit Bruderküssen begrüßt. Das ist ein klares (un-)diplomatisches Signal. Die Annäherung schreitet fort. Der Iran bietet dem wirtschaftlich verwüsteten Ägypten „eine große Kreditlinie“ an. Dahinter steht vermutlich die Überlegung, dass Mursi Geld braucht und damit überzeugt werden kann. Es ist deshalb nicht einerlei, woher Kairo Mittel für den Aufbau bezieht und mit wem es freundschaftliche Kontakte pflegt. Der Eindruck, den der Präsident in Berlin hinterlassen wollte, war noch ein anderer; hier schien es um eine Annäherung an den Westen und dessen Vorstellung von Rechtsstaat zu gehen. Dass Mursi nach diesen Bildern Ahmadinedschad in westlichem Sinn beeinflussen könnte, wird Berlin doch wohl hoffentlich nicht glauben. Diese Vorstellung wäre provozierend naiv. cas

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