Meinung : Mut zur Nische

-

Höhere Preise, weniger Arbeitsplätze, Verkäufer, die bis spät in die Nacht und sogar an Feiertagen schuften müssen, Familien, die sonntags statt in die Kirche zum Shoppen gehen: Längere Ladenöffnungszeiten gelten vielen als Anfang vom Ende des Abendlandes. Aber bedeutet ein liberalisiertes Ladenschlussgesetz – so, wie es das Bundesverfassungsgericht voraussichtlich am Mittwoch erlauben wird – wirklich, dass man in Deutschland künftig rund um die Uhr einkaufen kann? Nein. Denn schon heute hat nicht jeder Laden von Montag bis Samstag täglich bis 20 Uhr geöffnet, obwohl er doch dürfte. Dort, wo es Bedarf gibt – etwa in Großstädten oder in Gewerbegebieten – öffnen Kaufhäuser, Boutiquen und Fachgeschäfte länger. In Wohnvierteln, Dörfern und Randgebieten hingegen bleiben die Ladentüren geschlossen. Dennoch wäre ein flexibleres Ladenschlussgesetz für den Handel eine Chance – nicht nur auf mehr Umsatz, sondern auch auf mehr unternehmerischen Spielraum. Die Händler könnten ihre Geschäfte dann öffnen, wenn der Kundenstrom am stärksten ist. Oder sie könnten sich auf Nischen konzentrieren – die heute allein Tankstellen und Bahnhofsgeschäfte nutzen dürfen. Auch kleinere Geschäfte wären in der Lage, sich besser auf dem Markt zu positionieren. Neben persönlicher Beratung wären attraktive Öffnungszeiten eine weitere Möglichkeit, die Kunden an sich zu binden. Das alles würde ein liberalisierter Ladenschluss mit sich bringen. Allzu schädlich kann das also nicht sein. dro

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben