Meinung : Mutmaßungen über die Nullrunde

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Früher sprachen wir gern davon, es sei nötig, den Gürtel enger zu schnallen. Ein hübsches Bild mit dem kleinen Nachteil, dass immer jeder am Gürtel des Nachbarn herumgefingert hat. Es musste also ein neues Bild her, und das ist wirklich gelungen: Die Nullrunde dürfte schon jetzt als Wort des Jahres kaum noch zu schlagen sein. Aber was bedeutet sie? Wir kennen die Nulldiät, das vorläufige Ende jeglicher Nahrungsaufnahme unter ärztlicher Kontrolle; den Nullleiter, das neue Wort für inkompetente Minister. Und wir kennen die Nullstelle, nach heutiger Lesart jenes Phänomen, das die Bundesregierung mit dem sog. HartzPapier verhüllt hat. Ground Zero, nein das war was anderes. Aber wie erklären wir denn nun die Nullrunde? Nach offizieller Lesart handelt es sich um den Versuch, sich zusammenzusetzen und dabei festzustellen, dass es nichts zu beraten gibt. Doch kann das genügen? Die Nullrunde als deutsche Rettungs-Metapher erinnert ein wenig an einen Autofahrer, der über eine Klippe geflogen ist und auf dem Weg nach unten beschließt, sicherheitshalber den Fuß vom Gas zu nehmen. Die Pointe geht übrigens so, dass die Beifahrer von den Gewerkschaften dagegen sind. Nein! sagen sie, nicht vom Gas, sonst geht der Motor aus! Immerhin: Wenn es geknallt hat, können wir bei Null wieder anfangen. Ob die Nullrunde so gemeint ist?

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