Meinung : Mutmaßungen über Klaus W.

Bleibt er, geht er – verwirrende Gedankenspiele des Berliner Regierenden Bürgermeisters

Gerd Nowakowski

Wir sind gekommen, um zu bleiben, singt die Berliner Band „Wir sind Helden“. Ob er bleibt, ist bei Klaus Wowereit nicht ausgemacht. Dabei war das Bekenntnis eindeutig. „Ich will in der kommenden Legislaturperiode Regierender Bürgermeister von Berlin sein“, sagte der Amtsinhaber am Montag auf dem Treffpunkt Tagesspiegel. Noch am späteren Abend wehrte er jeden Gedanken ab, er strebe in die Parteispitze.

Zwei Tage danach schließt er nicht aus, stellvertretender SPD- Vorsitzender werden zu wollen. Was denn nun? Die Spitzengenossen loben den Regierenden Bürgermeister, selbst jene, die früher garstige Worte über ihn verloren haben wie Fraktionsvize Stiegler – es ist Wahlkampf, da darf Wowereit der SPD erzählen, was er will. Bislang aber kam niemand darauf, ihm den Job zuzutrauen.

Nur die Berliner fangen langsam an, sich zu wundern. Unterfordert Wowereit die hiesige Aufgabe? Die großen Aufgaben erledigt, aufgeräumt mit Haushaltslöchern und Bankenskandal, und nun ab in die Bundespolitik? Eine zerrissene Stadt zusammenführt zu haben, war historisch wichtig; und überfällig, einem bankrotten Land strenge Kassendisziplin zu verordnen – doch all das waren Aufräumarbeiten. Was kommt nun? Falls die SPD die Wahl gewinnt, dann muss sie endlich kommen, die Phase des Gestaltens einer Zukunft, in der Berlin zur Abwechslung mal vorne liegt beim Wachstum und nicht immer nur Schlusslicht ist. Da wär’ noch einiges zu tun.

Richtig, auch bisher hat Berlins Regierungschef die Interessen der Stadt im Bund wahrgenommen; durchaus erfolgreich, etwa bei der neu im Grundgesetz verankerten Hauptstadtklausel und der Föderalismusreform. Doch das jetzige Signal zielt eindeutig in die Mitte der Sozialdemokraten: Ich bin jemand für Wählerschichten, die sonst niemand erreicht. Ganz schön selbstbewusst. Wenn er sich da mal nicht verhebt. Denn Wowereit weiß, dass Rot-Rot noch auf lange Zeit kein Exportmodell für den Bund sein wird. Und als Programmatiker ist Wowereit unter den Sozialdemokraten noch nicht aufgefallen.

Was für Signale. Seht her, hatte sein Herausforderer Friedbert Pflüger zuvor immer behauptet: Ich gelte was im Bund, doch wer ist Wowereit? Kaum hat Pflüger auf die Kritik hin, er sei auf Durchreise, seine Karriere auf Berlin zentriert, spielt Wowereit die Bundeskarte. Und macht sich zugleich in seinem Wahlkreis stark für die Zukunft des Westteils, deren Bewohner sich abgehängt fühlen, nicht erst, seitdem der ICE nicht mehr am Bahnhof Zoo hält. Am gleichen Tag aber spricht Klaus Wowereit im Interview von Berlin als einer gänzlich ostdeutschen Stadt, um im Ostteil zu punkten.Wenn seine Berater da mal nicht die geistige Wendigkeit seiner Wähler überschätzen – trotz aktuell 32 Prozent für die SPD. Sonst wird am Ende aus einem Unterforderten ein früh Vollendeter.

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