Nabucco-Pipeline : Ausgespielt

Elf Jahre zog sich das Schauspiel um den Bau der europäischen Gaspipeline Nabucco hin. Und mit jedem Jahr wurde es peinlicher. Daher haben Darsteller wie der RWE-Konzern, der Lobbyist Joschka Fischer oder EU-Energiekommissar Günther Oettinger den Saal heimlich vor dem letzten Akt verlassen. Nun endlich fällt der Vorhang, es steht fest: Nabucco – ein Projekt von Österreichern, Ungarn, Rumänen, Bulgaren und sogar Türken – wird nicht gebaut. Den Zuschlag zum Transport von Erdgas aus dem Kaspischen Meer vorbei an Russland erhält das Konsortium TAP. Dahinter stehen Konzerne aus den Nicht-EU- Staaten Schweiz und Norwegen, so wie der Essener Eon-Konzern. Nur auf den ersten Blick kann das deutschen Verbrauchern egal sein. Ob das Gas ab 2015 mit Nabucco nach Österreich, oder – wie nun beschlossen – nach Süditalien strömt, werden sie beim Preis kaum spüren. Die Tragik besteht darin, dass Europas Regierungen und Konzerne den Rohstofflieferanten dieser Welt eindrucksvoll bewiesen haben, wie leicht man sie gegeneinander ausspielen kann. Langfristig wird das Scheitern von Nabucco uns daher noch teuer zu stehen kommen. kph

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