Meinung : Nach dem Tal wartet der Berg Von Corinna Visser

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Die Aktionäre und die Mitarbeiter der Deutschen Telekom haben in den vergangenen Jahren viel durchgemacht. Die einen sahen ihr Kapital, das sie vermeintlich in ein mündelsicheres Papier investiert hatten, schwinden. Die anderen erlebten, wie ihre Kollegen rechts und links ihren Arbeitsplatz verloren. Mehr als 100000 Arbeitsplätze hat der Konzern in den vergangenen Jahren gestrichen. Die Aktionäre können sich nun auf eine Dividende freuen. Der Konzern macht wieder ordentlich Gewinn und die Schulden sind von knapp 72 Milliarden Euro Mitte 2001 auf die Hälfte geschrumpft.

Zum Leidwesen der Aktionäre spiegelt der Aktienkurs diese positive Entwicklung noch nicht wider. Die Börse schaut nicht auf die Erfolge der Vergangenheit. Sie schaut auf die Chancen in der Zukunft. Dass sie dabei auch einmal sehr weit daneben liegen kann, ist bekannt. Sicher ist zwar, dass Konzernchef KaiUwe Ricke das Unternehmen wieder auf Kurs gebracht hat. Genauso sicher ist aber, dass die Situation für die Telekom nicht leichter wird. Die Herausforderungen kommen aus zwei Richtungen: Die Telekom muss, um im Wettbewerb bestehen zu können, tatsächlich zu dem modernen, kundenfreundlichen Dienstleistungsunternehmen werden, das Ricke sich zum Ziel gesetzt hat. Davon ist das Unternehmen noch weit entfernt, das können die Kunden täglich feststellen.

Zum zweiten steht die gesamte Industrie vor einem großen technologischen Sprung: dem kompletten Umstieg auf die Internettechnik. Für junge Unternehmen ist das kein Thema, für die Telekom schon. Konzernchef Ricke hat beide Herausforderungen erkannt. Die Frage ist, ob es ihm gelingt, auch die Mitarbeiter zu überzeugen: Es ist noch keine Zeit zum Durchatmen. Die größten Anstrengungen liegen noch immer vor ihnen.

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