Meinung : Nach der Ehrfurcht

Der Bundestag prüft, der Fall Hohlmeier weitet sich aus – reicht er bis zu Stoiber?

Stephan-Andreas Casdorff

Und immer wieder Strauß. Der Name, in Bayern und auch beim amtierenden bayerischen Regenten Edmund Stoiber mit einer Gloriole versehen, wird ganz allmählich aus CSU-Sicht – ja: entweiht. Der alte Mann, der in Augsburg im Saal saß, als sie über Strauß Junior, den Max Josef, zu Gericht saßen und ihn dann aburteilten, der sagte noch: Die trauen sich was. Nur wenige Wochen später ist es keine Besonderheit mehr, die Ehrfurcht fahren zu lassen. Denn die Strauß- Tochter Monika, verehelichte Hohlmeier, tut das Ihre, den Ruf zu ruinieren. Zwei Fragen bleiben: Was wusste Stoiber? Und wird er sie fallen lassen?

Das ist ein Grund des Übels: „Man darf nicht mit dem Wissen um Interna drohen. Das ist schlechter Stil und bricht einem früher oder später das Genick.“ So hat sich nicht etwa Franz Maget eingelassen, der Münchner Sozialdemokrat, ein Opponent – sondern Hohlmeier selbst. Das Zitat stammt aus dem Jahr 1994.

Von ihrem Herrn Papa ist bekannt, dass er so etwas früher gemacht hat, Dossiers angelegt und damit störrischen oder missliebigen Parteimitgliedern gewunken. Aber die Zeiten waren andere, und es wurde allzumal in Bayern mehr toleriert. Spätestens seit Stoiber ins Regierungsamt kam, im Mai 1993, ist das vorbei. Denn das „blonde Fallbeil“, wie er unter Strauß genannt wurde, wollte erklärtermaßen mit solchen Sachen aufräumen, mit den Amigo-Geschichten und den höfisch-mittelalterlichen Umgangsformen. Stoiber – nicht Fürst, sondern Manager. Mit Laptop und Lederhose, ganz wie der Slogan sagt.

Auch darum kann die Affäre, die sich täglich auszuweiten scheint, dem Ministerpräsidenten und Parteichef gefährlich werden: Wenn nachweisbar ist, dass er doch vom „Mitgliederkauf“ in der Münchner CSU gewusst hat; wenn er den außerdem bewundernd kommentiert hat, wie vom früheren JU-Chef in der Stadt berichtet wird – dann wird Stoiber mit der Härte begegnet werden, die er in der CSU gegen etliche angewandt hat.

Stoiber war ja nie sehr zimperlich, weder als Strauß-Adlatus noch auf dem Weg zum Regierungschef. Er kann Kampagne, keine Frage. Nicht nur Vorgänger Theo Waigel kann das bezeugen, sondern auch Ex-Minister Alfred Sauter. Selbst der ihm noch immer verbundene Alois Glück, ein aufrechter Christsozialer, hätte es schwer, das zu bestreiten. Und man stelle sich vor: Beitrittsanträge werden gefälscht und Neumitgliedern je bis zu 500 Euro bezahlt, damit der Münchner CSU-Landtags- abgeordnete Heinrich Traublinger wieder kandidieren kann – der Abgeordnete, der sich besonderer Aufmerksamkeit durch die Staatskanzlei und deren Chef Erwin Huber erfreute. Zufall? Es klingt nicht so. Jedenfalls klingt es nicht so gut.

Dass es sich hier nicht mehr um eine lokale Posse handelt, im Ränkespiel am Hof in München, das hat die SPD geschafft. Der Bundestag prüft jetzt auf ihren Antrag hin, ob illegal Mitgliedsbeiträge aus Parteigeldern beglichen wurden. Neuaufnahmen werden schließlich mit einigen Cent vom Steuerzahler belohnt. Das bedeutet bundesweite Beachtung des Falls.

Hinzu kommt das bald schon sprichwörtliche „Referentenwesen“ in der CSU. War Hohlmeier wirklich die Einzige, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihres Ministeriums mit Parteigeschäften betraute? Wie ist das bei – zum Beispiel Stoiber: Ist da nichts, war da nichts? Wenn auch nur einer aus der Vergangenheit etwas wüsste und geschwiegen hätte, sich aber jetzt nach vorne wagte, dann könnte es ungemütlich werden für den Regierungschef. Und, nicht bloß am Rande, für die CSU.

Eingeklemmt zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist Stoiber. Wenn er Monika Hohlmeier fallen lässt oder nicht mehr halten kann, einerlei, wie es auch sei, er wird verfolgt werden von seiner Loyalität zum Namen Strauß. Da sieht man mal, was der noch anrichten kann.

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