Nach der Sondierung : Schwarz-rote Taktikschule

Auf das zweite Sondierungsgespräch von Union und SPD soll am Donnerstag das dritte folgen. Das geht auch kaum anders, weil alle Beteiligten eine ganz eigene Taktik verfolgen.

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Aneinandergekettet? Am Donnerstag gehen Angela Merkel und Sigmar Gabriel weiter aufeinander zu.
Aneinandergekettet? Am Donnerstag gehen Angela Merkel und Sigmar Gabriel weiter aufeinander zu.Foto: AFP

Die drei Parteien CDU, CSU und SPD haben sich am Montagabend bis spät in die Nacht alle Mühe gegeben, ihre Preise für eine mögliche schwarz-rote Koalition oben zu halten. Durchbruch? Fehlanzeige! Am Donnerstag geht das Feilschen weiter. Und jeder der Verhandlungspartner hat dafür ganz eigene Gründe.

Die Union erwartet heute Nachmittag Besuch von den Grünen. Da gebietet es schon die Höflichkeit, ein Mindestmaß an schwarz-grüner Träumerei noch möglich erscheinen zu lassen. Eine weitgehende Vorfestlegung auf schwarz-rote Koalitionsgespräche hätte die Grünen mindestens düpiert. Vermutlich wären sie stinksauer gewesen. Zurecht. Worüber hätten die beiden Seiten heute noch reden sollen, wenn klar ist, dass die Union mit der SPD regieren will? Darüber, dass man keine gemeinsame Zukunft hat?

Spannender ist es bei der SPD. Die Sozialdemokraten wollen aus eigener freier Entscheidung in Koalitionsgespräche mit der Union gehen. Und nicht automatisch, weil die Grünen sich heute mit den Christdemokraten und -sozialen nicht einigen werden. Diese Entscheidung kann die SPD aber frühestens nach einer dritten Sondierungsrunde treffen.

Fraktionschef der Grünen kann sich auch Rot-Rot-Grün vorstellen

Die Wahrscheinlichkeit, dass am Donnerstag die dritte Auflage einer großen Koalition in der Bundesrepublik ein Stück größer wird, ist nicht gering. Denn die Alternativen sind politisch gefährlich. Die Entscheidung liegt aber nicht bei der Wahlsiegerin Angela Merkel. Sie liegt ganz allein bei SPD-Chef Sigmar Gabriel. Wenn der auf dem Parteikonvent am Sonntag kein sozialdemokratisch gefärbtes Verhandlungspaket für eine gemeinsame Regierung mit CDU und CSU vorlegen kann oder will, bleiben nur noch Neuwahlen, eine extrem unwahrscheinliche Minderheitsregierung oder Rot-Rot-Grün. Letztgenanntes hatte der neue Fraktionschef der Grünen, Anton Hofreiter, am Dienstagmorgen nochmals ins Gespräch gebracht.

Rot-Rot-Grün hat im neuen Bundestag eine Mehrheit. Die SPD müsste zu einem solchen Projekt einladen, das sie im Wahlkampf stets verdammt hat. Man sei ja kein Hasardeur, beschied Peer Steinbrück solche Gedankenspiele. Neuwahlen kann die SPD aber auch nicht wollen. Was bleibt? Die dritte Sondierung am Donnerstag. Das Ergebnis ist bekannt.

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