Nach Fällen in der Wuhlheide : Missbrauch: Wo sind Kinder noch sicher?

31.10.2011 11:28 UhrVon Robert Ide
Zwei Kinder gehen an einer Station der FEZ-Parkeisenbahn vorbei. Foto: dpa
Zwei Kinder gehen an einer Station der FEZ-Parkeisenbahn vorbei. - Foto: dpa

Nach den aufgedeckten Missbrauchs-Skandalen in Schulen und Kircheneinrichtungen muss nun der Blick auf die Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche geschärft werden.

Es ist der Horror für alle Eltern. Mit einem gutem Gewissen und in gutem Glauben schicken sie ihre Kinder in Freizeiteinrichtungen, in denen sie spielen und etwas lernen sollen. Dafür geben sie ihre Jungen und Mädchen in die Hände von ehrenamtlichen Betreuern, die sich im besten Falle aufopferungsvoll um sie kümmern, mit ihnen gemeinsam Teamgeist entwickeln, Selbstvertrauen aufbauen auch im Falle von Niederlagen, Körper und Geist trainieren. Helfer, die lernwillige Kinder scheinbar spielend belohnen, indem sie ihnen etwa die Schaffnerkelle in die Hand geben wie bei der Parkeisenbahn in der Wuhlheide. Fußballtrainer, die ihre Jungs oder Mädels nach einem verschossenen Elfmeter tröstend in den Arm nehmen.

Ein kleiner Schritt nur ist es von dieser Vertrautheit, die jedes Kind braucht, bis hin zum Missbrauch des Vertrauens – mit lebenslangen Folgen. In der Wuhlheide haben Betreuer offenbar ein System geschaffen, das seit den Neunzigerjahren den sexuellen Missbrauch Minderjähriger zum Ziel hatte. Und auch der Berliner Sport sieht sich immer wieder mit pädophilen Tätern konfrontiert, die sich als Jugendtrainer andienen. Sie wissen: Näher als bei Sport und Spiel können sie ihren Opfern nicht kommen, vertrauter können sie ihnen kaum werden als in einem Verein.

Für Opfer und ihre Eltern ist im Nachhinein die Nähe unerträglich, die die Täter herstellen konnten. Wo sind Kinder überhaupt noch sicher? Nach den aufgedeckten Missbrauchs-Skandalen in Schulen, Internaten und Kircheneinrichtungen muss nun der Blick auf die Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche geschärft werden. Der Berliner Sport bemüht sich seit zwei Jahren, seine Trainer stärker zu kontrollieren, wird dabei aber zuweilen unnötig von der Bürokratie behindert. Aufklärung und Prävention müssen aber schon an der Wurzel beginnen – in Mannschaftskabinen, Jugendherbergen, auf Spiel- und Sportplätzen. Wann wird Nähe zu nah, was darf ein Betreuer nicht anordnen? Kindern und Jugendlichen zu helfen, diese Grenzen zu erkennen und zu erzählen, wenn sie überschritten wurden, bleibt eine große Aufgabe nicht nur für Vereine und Freizeittreffs – sondern auch für die Eltern selbst. Die Scham eines Opfers ist der Komplize des Täters.

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