Meinung : Nach Irak-Angriffen: Einsamer Cowboy

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Wer jemals versucht hat, eine Doppel-Luftmatratze mit dem Mund aufzupusten, weiß, welches Gefühl US-Außenminister Powell bei seiner ersten Reise in den Nahen Osten erwartet. Sein Ziel, der Golfkriegs-Koalition wieder Leben einzuhauchen, wird ihn schwindelig werden lassen. Denn die Koalition gibt es nicht mehr. Ein Land nach dem anderen hat sich in den vergangenen zehn Jahren aus ihr verabschiedet. Selbst Saudi-Arabien ist es inzwischen peinlich, mit den Raketenangriffen vom vergangenen Freitag in Verbindung gebracht zu werden. Abgesehen vom britischen Premier Blair ist Washington isoliert. Das allein wird die neue US-Administration von ihrem Kurs jedoch nicht abbringen. Wenn es um Diktaturen geht, kann Amerika nämlich hartnäckig sein - siehe Nordkorea, siehe Kuba, siehe Kalter Krieg. Der Mythos des einsamen Cowboys, der unverstanden für das Gute kämpft, sitzt tief. Überbewerten sollte man auch nicht, dass sich zur Isolation militärische Unzulänglichkeit gesellt. Woanders mögen US-Raketen, die ihr Ziel nicht treffen, Besorgnis oder Spott auslösen. Jenseits des Atlantiks entfachen sie den Ehrgeiz, es nächstes Mal besser zu machen.

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