Meinung : Nach Kuba!

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Viele Traditionen des 20. Jahrhunderts sehen im 21. ziemlich alt aus. Doppelkopf spielen, Räucherstäbchen anzünden, marode Häuser besetzen – Tätigkeiten am Rande der Vergessenheit, die uns Heutigen vorkommen wie flagrante Anschläge auf die Moderne. Fehlt nur noch ein Che-Guevara-Poster! Doch leicht wird vergessen, dass es sich dabei um hart erkämpfte kulturelle Errungenschaften handelte, die in ihrer Frühform durchaus Charme besaßen. Auch Flugzeugentführungen beispielsweise waren ja vor ihrer mörderischen Entartung eine Art schützenswerte Revoluzzer-Folklore, ihr Ziel allemal Kuba. Robert Mugabe, der beliebte Staatschef Simbabwes, hat jetzt an diese alte Sitte angeknüpft und eine Linienmaschine seines Landes, unterwegs nach London, zum Zwischenhalt in Madrid genötigt, um von dort flinker zum Genossen Fidel nach Kuba reisen zu können. Wir erkennen daran hohes Stilgefühl: das traditionelle Ziel! Die Autorität des Präsidenten statt einer vulgären Neunmillimeter! Ja, vor allem die Verhältnismäßigkeit, auf die mögliche Direktentführung nach Kuba zu verzichten, nimmt uns für Mugabe ein. Sie verdienen Artenschutz, unsere letzten Sozialisten, genau wie die Buckelwale. Denn von denen gibt es noch viel mehr.

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