Nach Platzecks Rücktritt : BER-Flughafengesellschaft sucht neuen Aufsichtsratchef

Die Aufwandsentschädigung von 235 Euro pro Sitzung ist eher ein Taschengeld, trotzdem braucht die Flughafengesellschaft nach Platzecks Rücktritt einen neuen Aufsichtsrat. Er muss kein Politiker sein.

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Matthias Platzeck.
BER-Aufsichtsratschef Matthias Platzeck.Foto: dpa

Der Job ist undankbar, die Bezahlung miserabel. Das Unternehmen hat zudem einen schlechten Ruf. Der eine Standort arbeitet zwar hochrentabel, ist aber hoffnungslos veraltet. Der andere wird für seine Architektur bewundert, funktioniert aber leider nicht. Kein Wunder, dass niemand den Vorsitz des Aufsichtsrates der Berliner Flughafengesellschaft haben will.

Der bisherige Chef, Matthias Platzeck, scheidet wegen seiner angeschlagenen Gesundheit auch aus dem Nebenamt, das vermutlich mehr Ärger macht als die politische Verwaltung des ganzen Landes Brandenburg. Sein designierter Nachfolger als Ministerpräsident, Dietmar Woidke, hat etwas vorschnell erklärt, er wolle mit dem Aufsichtsrat nichts zu tun haben, obwohl Brandenburg, wie auch Berlin, 37 Prozent der Gesellschaftsanteile hält. Klaus Wowereit, der sich als Aufsichtsratschef schon einmal blutige Hände holte, gilt für die Spitze nicht mehr als präsentabel, er will sicherheitshalber auch nicht dorthin zurück. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer als Vertreter des kleinsten Gesellschafters käme permanent zwischen die Interessen der beiden Bundesländer. Außerdem ist es für den Christsozialen herrlich bequem, aus dem Hintergrund gegen die beiden sozialdemokratischen Länderchefs stänkern lassen zu können. Was also tun?

Verfahrene Situation am Flughafen Willy Brandt

Einer der Gründe für die verfahrene Situation am neuen Flughafen Willy Brandt ist sicherlich auch die fachliche Inkompetenz der meisten Aufsichtsratsmitglieder. Kein Wunder, dass nun gemunkelt wird, man hole am besten einen wirtschaftlich erfolgreichen Menschen für den Vorsitz. Diese Frau oder diesen Mann zu finden, ist sicher möglich, obwohl die Aufwandsentschädigung mit 235 Euro pro Sitzung eher ein Taschengeld ist. Immerhin winken dem Ruhm und Ehre, der den havarierten Flughafen eröffnungsreif macht.

Schwierig aber ist das Procedere. Es reicht nicht, den Wundermann oder die Wunderfrau zu finden – der Aufsichtsratsvorsitzende muss aus dem Kreis der Aufsichtsräte gewählt werden. Mit Platzecks Ausscheiden zur Gesellschaftsversammlung am 31. August wird ein Platz frei. Theoretisch wäre das Problem also gelöst, wenn die Brandenburger Landesregierung einen fähigen Kandidaten findet und nominiert. Der aber, und das macht es wieder schwierig, muss mit Sicherheit ein prominenter Sozialdemokrat sein. Es ist nämlich völlig unvorstellbar, dass die SPD in der Mark die beiden von der Linken gestellten Minister Ralf Christoffers und Helmuth Markov als einzige Vertreter der Landesregierung im Aufsichtsrat akzeptiert.

Klaus Wowereit kann seinen Platz nicht räumen

Gelingt den Brandenburgern die Lösung nicht, wäre Berlin am Zug. Klaus Wowereit kann seinen Sitz im Aufsichtsrat nicht räumen. Sonst wäre der CDU-Mann Frank Henkel der prominenteste Vertreter Berlins im Aufsichtsrat. Das geht aus Gründen der Koalitionsarithmetik nicht. Der Regierende Bürgermeister könnte aber zum Beispiel den Hotelier Michael Zehden fragen, ob er nicht auf eine neuerliche Kandidatur verzichtet.

Dann hätte, nur mal als Gedankenspiel, die Berliner Koalition die Option, jemand wie den früheren BDI-Präsidenten Hans-Peter Keitel aufzustellen. Dem traut man Rückgrat und Fachkompetenz für den undankbaren Job zu. Und Keitel würde sich wohl auch mit den 235 Euro zufriedengeben.

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