Nach Ranking-Skandal : Das ZDF muss ehrlich und ernsthaft werden

Der Ranking-Skandal rührt am Kern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Mit ein paar neuen Regeln ist es deshalb nicht getan. Die Peinlichkeit ruft nicht nach Reform, sondern nach Revolution.

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Alles falsch. Claus Kleber (l.), Platz 28, gratulierte in der ZDF-Show am 2. Juli Franz Beckenbauer (M.) zu Rang neun. Tatsächlich war Kleber auf Platz 38 und Beckenbauer auf Rang 31 gevotet worden. Dann griff die ZDF-Redaktion ein. An der Platzierung von Günther Jauch auf Rang vier wurde nicht gedreht.
Alles falsch. Claus Kleber (l.), Platz 28, gratulierte in der ZDF-Show am 2. Juli Franz Beckenbauer (M.) zu Rang neun....Foto: dpa

Das Zweite Deutsche Fernsehen hat seine Zuschauer betrogen. Die Fernsehshow „Deutschlands Beste!“ Anfang Juli sollte dem Publikum nahebringen, wen die Bundesbürger bei Männern und Frauen für absolute Spitze halten. Die ZDF-Showredaktion hatte keine Mühe, keine Kosten gescheut, hatte eine repräsentative Forsa-Umfrage, eine „Hörzu“- Umfrage und ein Netz-Voting angestrengt. Das Ergebnis aber war eine Mixtur, zusammengestellt nach dem Gutdünken der ZDF-Mitarbeiter. Repräsentativ war da nichts, tatsächliches Regulativ war die Prominenz, die sich auf dem Sofa neben Moderator Johannes B. Kerner versammeln sollte.

Schon die Art und Weise, wie der Betrug offenbar wurde, wirft Fragen auf. Nicht der Sender selbst hatte Bedenken, es waren Anfragen und Recherchen, die die öffentlich-rechtliche Anstalt zur Aufklärung trieben. Jetzt ist der Showchef des ZDF gegangen, Mitarbeiter in der Abteilung wurden abgemahnt.

Das ZDF also wieder das „Zentrum der Freude“, der Mainzelmann wieder im Beste-Laune-Stand? Der Zuschauer ist es nicht. Er zahlt unverändert die Zwangsabgabe des Rundfunkbetrages. Das sind nicht nur 17,98 Euro, das ist ein Vertrauensvorschuss. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk lügt nicht, er betrügt nicht.

Im ZDF herrscht(e) nach Lage der Dinge die Meinung vor, dass Wahrheit relativ und Wirklichkeit manipulierbar sein dürfen. Die „Rechenschiebereien“ begannen nicht mit der letzten Besten-Show, das Do-it-yourself-Fernsehen – was nicht passt, wird passend gemacht– existierte schon vorher auf dem Mainzer Lerchenberg. Nicht wenige im ZDF sind schon erleichtert, dass es nur die „Unterhaltung“ war. Wen soll das beruhigen?

Selbst beim Entertainment geht es um Vertrauen

Fernsehen, das sich um der vermaledeiten Quote und der angebeteten Marktführerschaft willen zur frank-freien Illusionsmaschine erklärt, desillusioniert auf dramatische Weise. Selbst Entertainment beruht auf einer Verabredung: Das Programm führt nicht in die Irre, es gaukelt nichts Falsches, Gefaktes vor, es ist auch in seinem Modus des Leichten, des Amüsanten, des Quecksilbrigen, des Illusionären eine saubere Sache. Nichts gegen Zauberei, aber das Publikum muss darüber informiert sein, dass gezaubert wird. Sonst wird es hintergangen.

Der Fernsehrat, das Aufsichtsgremium, will sich jetzt mit strengem Blick über die Causa beugen und gemeinsam mit der Senderspitze ein Regelwerk etablieren, das jeden weiteren Unterschleif ausschließt.

Das soll es dann gewesen sein. Ist es zu fassen? 77 erwachsene Fernsehräte machen die Unterhaltung des Zweiten Deutschen Fernsehens zukunftsfest. Motto: Ein Experte der Forschungsgruppe Wahlen hat sich von der ordnungsgemäßen Zusammenstellung der Ranglisten überzeugt. Die Peinlichkeit um die Zweit-, Dritt- und Viertbesten ruft nicht nach Reform, sondern nach Revolution. Minimiert die Unterhaltung, die fast deckungsgleich im Privatfernsehen läuft, weitet die Information aus, werdet ehrlich und ernsthaft, macht endlich öffentlich-rechtliches Fernsehen. Das beste Fernsehen beruht nicht auf irreführenden Besten-Shows.

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