Nach Wulff-Rücktritt : Die Ironie der Geschichte

18.02.2012 00:00 Uhrvon
Dass Christian Wulff auch eine dominierende Figur im Karneval sein würde, war schon vorher klar. Nach dem Rücktritt müssen die Vereine noch einmal nachrüsten. Foto: dpa
Dass Christian Wulff auch eine dominierende Figur im Karneval sein würde, war schon vorher klar. Nach dem Rücktritt müssen die Vereine noch einmal nachrüsten. - Foto: dpa

Christian Wulff war Merkels Kandidat. Sie lag mit ihm falsch. Doch die Kanzlerin ist geübt darin, Niederlagen in einen strategischen Vorteil zu verwandeln.

Er wolle nicht in einem Land leben, in dem man sich von seinen Freunden kein Geld mehr leihen kann, hatte Christian Wulff in einer seiner seltenen persönlichen Erklärungen zur Affäre gesagt. Doch darum ging es nie, und was Christian Wulff will, darauf kommt es nicht mehr an. Jetzt, da die Staatsanwälte meinen, Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Vergehen Wulffs zu haben, war der Rücktritt unausweichlich. Das Land kann nicht mit einem Bundespräsidenten leben, gegen den wegen Korruption ermittelt wird.

Die Causa Wulff in Bildern:

Einen seiner stärksten Momente im Amt hatte Wulff ausgerechnet am letzten Tag. Noch einmal betonte er, was sein großes Thema hätte werden können: Integration. In der kommenden Woche, bei der Gedenkfeier für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt, sollte er die Rede halten. Wenige Tage später hätte der Bundestag über die Aufhebung seiner Immunität entscheiden müssen – eine Zumutung, die Wulff dem Land erspart hat. Nun wird dort Angela Merkel sprechen, und nicht der Vertreter des Staatsoberhaupts, Bundesratspräsident Horst Seehofer. Eine kluge Entscheidung.

Von seinem Land zeichnete Wulff indessen ein verheerendes Bild, denn er wünscht ihm eine politische Kultur, in der „die Menschen die Demokratie als unendlich wertvoll erkennen“, was sie, der Umkehrschluss ist wohl gesetzt, demzufolge nicht tun. Da wird die Verbitterung deutlich und die Verletzung, für die er „die Berichterstattungen“ verantwortlich macht. Aber zur politischen Kultur, wie man sie sich wünscht, gehört eben auch, dass der Präsident nicht nur behauptet, aufrichtig zu sein, sondern es wirklich ist. Wulff war zu oft nur ausflüchtig.

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