Meinung : Nachfragen erwünscht

„Rabiate Therapie“ vom 11. Juni

Sie berichten in dem Artikel über die Zustände in den Helios Kliniken. Die geschilderten Praktiken beim Umgang mit Beschäftigten sind absolut zu kritisieren und anzuprangern. Sie sind leider auch in dem Bereich kein Einzelfall. In dem Artikel zitieren Sie auch den Betriebsratsvorsitzenden der Helios Kliniken, Rainer Stein. Dieser behauptet, wir als Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten würden mit den Krankenhaustöchtern Tarifverträge abschließen, die eine deutliche Absenkung der Einkommen nach sich ziehen würden. Allerdings möchte ich an dieser Stelle festgestellt wissen, dass wir als NGG in Berlin und Brandenburg keine Tarifverträge mit der Helios-Servicegesellschaft oder einem anderen Tochterunternehmen der Helios Kliniken oder sonstigen Töchtern ausgegliederter Serviceunternehmen von Kliniken abgeschlossen haben. Mir ist aber auch nicht bekannt, dass die Redakteurin diesbezüglich bei mir nachgefragt hätte. Wenn sie dies getan hätte, hätte der Artikel an dieser Stelle den insgesamt richtigen Ansatz nicht verfälscht und angreifbar gemacht. Der für diesen Bereich einschlägige Tarifvertrag für die Gastronomie sieht in Berlin als niedrigsten Stundenlohn für Hilfskräfte 8,10 Euro brutto und für Fachkräfte 10,57 Euro brutto vor. Das ist sicher immer noch kein auskömmliches Einkommen, aber auch für Arbeitgeber, die Lohndumping betreiben wollen, zu hoch. Wir als NGG haben es in der Vergangenheit nicht getan und werden uns auch in Zukunft nicht als williges Werkzeug von Arbeitgebern missbrauchen lassen, durch Gefälligkeitstarifverträge die Einkommen von tariflich abgesicherten Kolleginnen und Kollegen zu verschlechtern. Wenn Arbeitgeber aber in andere Arbeitgeberverbände flüchten oder gar ohne Tarifbindung arbeiten, können nur (mitglieder)starke Gewerkschaften dem Einhalt gebieten. Das ist unser Anspruch.

Sebastian Riesner, Berlin-Moabit

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