Meinung : Nachrichten

Für Rot-Grün läuft’s derzeit so schlecht wie für Bremen auf dem Fußballplatz

Axel Vornbäumen

Kleines Gedankenspiel, am Ende einer turbulenten Woche: Was, wenn man der rot-grünen Koalition in diesen Tagen einen passenden Fußballverein zuordnen müsste? Bitte sehr.

Ja, Werder Bremen läge nahe, schon farblich, weil der SV Werder meist in orange-grün kickt. Auch sonst bietet sich die eine oder andere dankbare Parallele; hören wir zur Einstimmung am besten Valerien Ismael, Abwehrspieler beim SV Werder: „Der Trainer hat in der Halbzeit gesagt, wir müssen vorsichtig sein, sonst kriegen wir sechs Tore – er hat fast Recht gehabt“.

Zur Erinnerung: Werder bekam am Dienstagabend von Olympique Lyon am Ende gleich sieben Stück eingeschenkt, die Vorsicht hatte nichts genützt. Seitdem herrschen doch erhebliche Zweifel an der Wettbewerbstauglichkeit der tief verunsicherten orange-grünen Truppe.

Quasi im Minutentakt schlägt’s derzeit auch bei Rot-Grün in Berlin ein, seit in Schleswig-Holstein eine Landtagswahl auf eine Weise in die Hose gegangen ist, für die man selbst in allerhöchsten Regierungskreisen immer noch kein plausibles Erklärungsmuster parat hat. Seitdem nämlich verorten Demoskopen etwas, was es in der Republik lange nicht mehr gegeben hat: Wechselstimmung. Das macht nicht souveräner. Im Gegenteil. Mehr dazu demnächst in NRW, wo die Genossen mittlerweile derart nervös geworden sind, dass wiederum die in Berlin darüber ganz kribbelig werden.

Ein weiteres Mal Fußball: Fielen Werders Gegentore,weil die Mannschaft nervös war oder wurde die Mannschaft immer nervöser, weil immer mehr Gegentore fielen?

Gute Frage: Beantworten wir sie für den inneren Gemütszustand der rot-grünen Koalition, die in diesen Tagen ganz offensichtlich deshalb Fehler macht, weil Fehler gemacht wurden. In Hannover vergisst der Kanzler auf der Cebit den zentralen Satz vorzulesen, wie er die Arbeitslosigkeit bekämpfen will – und alle rätseln, warum. In Berlin, am Kabinettstisch, nölt Innenminister Schily derart lautstark über das grün gewirkte Antidiskriminierungsgesetz, dass es nach außen dringt, der Kanzler beschwichtigen muss und Schily sich wiederum pikiert zeigt, ob die fortwährenden Indiskretionen aus der Kabinettsrunde nicht eigentlich einen Straftatbestand erfüllten.

Noch mehr? Bitte: Im Bundestag bekommt Rot-Grün keine Mehrheit zusammen, um, ausgerechnet, einen Unionsantrag zur Frauen- und Gleichstellungspolitik abzulehnen. CDU-Generalsekretär Kauder kann frohlocken, die Koalition befände sich „im Auflösungsprozess“. Und die Wahl des wackeren SPD-Seeheimers Reinhold Robbe zum Wehrbeauftragten ist derart unsicher, dass man sie lieber erst mal in den April verschoben hat.

Plötzlich wirkt alles so fahrig. Hat sich die innere Stabilität der Koalition verändert – oder nur die Wahrnehmung von der Statik des rot-grünen Bündnisses in Krisenzeiten? Nichts ist mehr wie es war, seit Joschka Fischer seiner vermeintlichen Unantastbarkeit verlustig ging, seit in Deutschland die Zahl der Arbeitslosen die deprimierende 5-Millionen-Marke erreicht hat und seit beides zu allem Überfluss auch noch in dieselbe Zeit fiel.

So ist es derzeit im politischen Berlin, wie es oft auch auf’m Platz ist, wenn’s nicht mehr läuft: Jeder sieht nur noch, wo er selber bleibt.

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