Meinung : Nachsitzen

Berichterstattung zum Thema Schule

Die Schlagzeile vom 5. April: „Ab 11.55 Uhr schwänzen die Lehrer“ zum angekündigten und gewissenhaft vorbereiteten Warnstreik der Lehrer hat mir tatsächlich einen Schlag verpasst.

Wie andere Printmedien kann der Tagesspiegel zur Meinungsbildung beitragen. Lehrer des „Schwänzens“ zu bezichtigen, ist sachlich falsch und wird dem Warnhinweis besorgter Menschen keinesfalls gerecht.

Unter Schwänzen versteht man ein unerlaubtes und unangekündigtes Fernbleiben vom Unterricht. Sie führen aber im Artikel aus, dass die am Protest teilnehmenden Lehrpersonen im Vorfeld breit gestreute Informationen über den Streik veröffentlicht und die Bitte, jüngere Schulkinder entsprechend früher aus der Schule abzuholen.

Zur Rechtmäßigkeit des Warnstreiks vermag ich mich nicht zu äußern, wohl aber zum Mut und zum Rückgrat derjenigen, die im „Dienste des Staates“ für engagierten Unterricht mit Sachkompetenz und Interesse an Schülerinnen und Schülern die ungeheure Arbeitsbelastung, auch in Form von zu erteilenden Unterrichtsstunden, anprangern.

Diese Pädagogen verdienen Respekt, meine Achtung haben sie jedenfalls.

Ach, hatte ich nicht im Tagesspiegel vor circa einem halben Jahr gelesen, dass Berlin eine im Bundesvergleich relativ hohe Zahl an dauerhaft erkrankten Lehrern habe? Wer will das und wer hat etwas davon?

Barbara Hewer, Kassel

Der angekündigte Streik der Lehrer schwemmt wieder alle altbekannten Argumente über diesen Beruf nach oben. Von Verständnis bis Häme ist alles dabei. Eine Frage an alle Kritiker: Warum sind Sie keine Lehrer geworden? Es gibt eine freie Berufswahl in diesem Lande. Überzeugen Sie Ihre studierfähigen Kinder, diesen Beruf zu ergreifen! Wir benötigen an Menschen interessierte junge Leute mit Kompetenzen in vielen verschiedenen Bereichen (grundlegende Kenntnisse in zwei Schulfächern, dann die Fähigkeit, sie auch zu vermitteln – Didaktik und Methodik – psychologische Kenntnisse zur Erkennung von seelischen Fehlentwicklungen, Methoden der konstruktiven Konfliktlösung, die Bereitschaft, auch als Sozialarbeiter zu agieren, um eventuelle häusliche Probleme anzusprechen und Behörden einzuschalten). Na, wer möchte? Es sind noch Stellen frei!

Ach, ja, das hätte ich fast vergessen. Für sexuelle Aufklärung ist die Schule auch seit langem zuständig ... oder neu in der Diskussion: Mobbing im Internet (Erhöhung der Medienkompetenz), gesunde Ernährung, Mundhygiene – dafür kommt aber extra die Zahnfee … und falls der Polizist diesmal nicht kann, muss die Verkehrserziehung vom Lehrer durchgeführt werden. Themen: Fahrrad-/Mofaprüfung oder die Beachtung des toten Winkels ... die Elternarbeit habe ich noch vergessen, sie ist wichtig.

P.S.: Ohne Ironie – ich bin trotzdem gerne Lehrer! (Auch wenn mir immer fünfzehn Minuten an der vollen Stunde fehlen.)

Klaus Bergfeld, Berlin-Reinickendorf

Wir haben schon den sogenannten „Bögertag“ — jeder Lehrer darf sich einen freien Tag pro Jahr wählen. Wer übernimmt dann meine Stunden? Die Kollegen in Mehrarbeit. Wenn jetzt auch noch die Arbeitszeitkonten aufgelöst werden sollen, haben die einen frei, die anderen arbeiten mehr. Und das bei der Altersstruktur!

Ich habe bis jetzt schon 25 Tage auf dem „Konto“! Da ist doch die Frage, wie viele Stunden pro Tag bekomme ich?

Barbara Voigt, Berlin-Charlottenburg

Der Untertitel „Opposition: Chancen sind vom Geldbeutel abhängig“ erscheint mir unverständlich. Ist nur der Gemeinplatz gemeint, dass die von der Gesellschaft gebotenen Chancen von deren Geldbeutel abhängig sind? Oder soll das vielleicht eher heißen, dass die Nutzung der Chancen vom Geldbeutel abhängig ist? Nachdem das öffentliche Schulwesen Deutschlands für jedermann kostenlos zugängig ist, kann auch das nicht gemeint sein. Kommen wir der Sache vielleicht näher, wenn wir den Geldbeutel als Folge und Maß der von Ihnen qualitativ beschriebenen Bildungsferne setzen? Dann müsste doch aber die Aussage lauten: Chancennutzung ist vom Bildungsniveau abhängig. Das korreliert mit der Meldung , dass die Nachfrage nach Bildungsgutscheinen für Nachhilfeunterricht im Promillebereich liegt. Will man diese Situation wirklich ändern, sollte man nicht immer (nur) wohlfeil den Geldbeutel schlagen, wenn eigentlich der „Esel“ gemeint ist.

Dr. Werner Strube, Berlin-Pankow

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben