Meinung : Nachsteuern notwendig

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Unter all jenen, die das Wohl der Enterbten und Entrechteten mit besonderer Inbrunst verteidigen, nimmt die Jury zum „Unwort des Jahres“ eine Spitzenposition ein. Aus ihrer Sicht ist Deutschland ein Gemeinwesen voller Trottel, die sich nach wie vor im Paradies wähnen, und zwar, weil man sie durch raffinierte Tarnworte über die tatsächliche Lage hinwegtäuscht: Sie hören „Freisetzung“, halten das für bezahlten Sonderurlaub und rennen sofort zum Personalchef, um sich zu bedanken. Im letzten Jahr hat es die griffige „IchAG“ erwischt, die mit dem bemerkenswerten Einwand attackiert wurde, ein Einzelner könne ja überhaupt keine AG sein, und die Sprache sei damit auf „Börsenniveau“ gesunken. Auch für die nächste Wahl Anfang 2004 müssen wir wieder so etwas befürchten; das witzige und präzis treffende Wort „gefühlte Inflation“ für die Phase nach der Euro-Einführung steht schon auf der Liste; es hat diesen politisch unkorrekten Sound, auf den die Jury abfährt. Auch die Post, die gemerkt hat, dass man E-Mails nicht in den Kasten wirft und deshalb einige unter dem Stichwort „Briefkastenoptimierung“ abbauen will, steht schon am Pranger. Hier ein neuer Vorschlag: „Notwendige Nachsteuerung“ für drastische Einschnitte bei den Personalkosten. Wäre an sich ein sicherer Sieger. Nur stammt es leider nicht von einem bösen Chefkapitalisten, sondern von Verdi- Boss Frank Bsirske, der seine Leute auch nicht mehr bezahlen kann. Aber das ist natürlich was ganz anderes.

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