Meinung : Nahost: Besser Worte als Taten

cvm

Die Bilder aus dem Nahen Osten sind seit Monaten so bedrückend, dass man meint, schlimmer könne es kaum noch kommen. Aber die brutale Wirklichkeit ist durchaus zu Verschärfungen fähig. Ja, es scheint, als setzten Palästinenser wie Israelis gezielt auf die Taktik "je schlimmer, desto besser" - immer in der Hoffnung, dass der Gegner früher vor den Schrecken einer weiteren Eskalation zurückweicht als man selbst. Die verzweifelten Vermittlungsversuche der Europäer kommen dagegen nicht an, Joschka Fischer und sein britischer Kollege Straw haben es vor wenigen Tagen erfahren. Während ihrer Besuche in der Region schlugen erstmals palästinensische Raketen in Israel ein und näherte sich der israelische Beschuss Meter um Meter Arafats Amtszimmer. Gestern besetzten israelische Truppen erstmals seit Beginn der Intifada vor anderthalb Jahren die Stadt Gaza. Doch gestern gab es auch erstmals seit langem wieder ein Signal des Entgegenkommens: Arafat ließ drei Männer verhaften, die an der Ermordung des israelischen Tourismusministers Seevi beteiligt gewesen sein sollen. Und: Palästinenser kündigten an, sie wollten von Anschlägen im israelischen Kernland absehen und sich künftig auf den Kampf in den besetzten Gebieten konzentrieren. Wird der Teufelskreis der Eskalation endlich durchbrochen? Oder ist dies nur Taktik, um Premier Scharon vor seiner abendlichen Fernsehansprache unter Druck zu setzen? Auch im Nahen Osten stirbt zwar die Hoffnung zuletzt, aber stärker als jede Hoffnung ist dort derzeit die Politik der Tat.

0 Kommentare

Neuester Kommentar