Meinung : Nahost: Die Botschaft der Gewalt

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Israelis und Palästinenser tauschen Botschaften aus: Da sie nicht mehr miteinander verhandeln, schießen sie aufeinander. Es wird aber nicht nur bei der ersten guten Gelegenheit abgedrückt, sondern gezielt geschossen. Militärisch und politisch haben diese Schüsse keine wesentliche und sofortige Auswirkung, doch sind sie von hohem symbolischen Gehalt und könnten durchaus längerfristig die Denkweise beider Konfliktseiten beeinflussen. Israel liquidierte mittels von Kampfhubschraubern abgefeuerten Raketen am letzten Dienstag in Nablus mit Jamal Mansour erstmals einen Hamas-Anführer der obersten politischen Führung und versuchte am Samstag in Ramallah das Gleiche mit dem engsten Helfer und Leibwächter des Intifada-Anführers Marwan Barghouthi, Muhind Dirya (Abu Halaweh) zu tun. Die Palästinenser reagierten mit dem bisher massivsten Beschuss des Jerusalemer Außenviertels Gilo und am Sonntag mit einer Terrorattacke mitten im Herz des israelischen Verteidigungszentrum in Tel Aviv. Das sind deutliche Botschaften: Israel macht den Palästinensern klar, dass es jederzeit und überall auch deren oberste Führung im Visier hat und liquidieren kann. Die Palästinenser wiederum lassen die Israelis wissen, dass auch sie praktisch überall zuschlagen können, wenn sie nur wollen. Auf palästinensischer Seite ist die Botschaft sehr wohl empfangen worden: In den obersten Kreisen herrscht totale Verunsicherung, vielleicht sogar Panik. Die israelische Führungsspitze bemüht sich demgegenüber um den Anschein der Gelassenheit. Was bedeutet all das? Diese Stichel-Attacken haben, anders als frühere Gewaltanwendungen, nicht mehr das Ziel, die Gegenseite an den Verhandlungstisch zu bomben. Beide Seiten wollen mit gewaltsamen Mitteln den Feind besiegen und so einer Verhandlungs-Lösung ausweichen.

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