Meinung : Nahost: Es geht auch anders

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Das Massaker in der Tel Aviver Disco wird nicht das letzte sein. Mehr selbstmörderische Terroristen stehen bereit, möglichst viele Israelis mit sich in den Tod zu reißen. Sie zu stoppen, ist praktisch unmöglich. Es werden noch viel Blut und Tränen fließen. Und doch: Erstmals seit Ausbruch der "Al Akza-Intifada" zeichnet sich eine vorläufige Wende ab. Joschka Fischer hat Jassir Arafat klargemacht, dass Israel mit ungeheuerlicher militärischer Macht Vergeltung üben werde, wenn er nicht hier und jetzt den Waffenstillstand verkünde. Und Arafat hat begriffen, dass er, weil alle Sympathie der Welt den Israelis gilt, Gefahr läuft, alle potenziellen politischen Gewinne aus dem "Intifada"-Kleinkrieg zu verlieren. Auf den Terror folgte die Deeskalation - genau das Gegenteil dessen, was die Hintermänner des Massakers anstrebten. Nein, eine Koalition der Vernünftigen ist das noch nicht. Doch immerhin sieht man, dass es auch anders geht, dass die Gewalt zumindest gestoppt werden kann. Das ließe hoffen, wenn da nicht die Angt wäre, dass der Gewaltstopp für Arafat kein Ziel, sondern eine Finte ist. Und Scharon steht unter Druck. Eigentlich hatte er schon die Aufhebung des einseitigen Waffenstillstandes beschlossen, als die Bombe expoldierte. Scharon und Arafat wissen, dass, je mehr Zeit nach dem Blutbad vergeht, Israels Gegenschlag außenpolitisch immer schwieriger wird.

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