Nahost : Feuerpause? Verschnaufpause!

Angst, Hass und Propaganda: Warum die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas wohl nicht von Dauer sein wird.

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Israelische Soldaten ruhen sich während der Feuerpause im Gazastreifen auf einem Panzer aus.
Israelische Soldaten ruhen sich während der Feuerpause im Gazastreifen auf einem Panzer aus.Foto: dapd

Die Welt atmet auf. Im Nahen Osten schweigen nach Tagen heftiger Kämpfe die Waffen. Angesichts des Blutvergießens, der Not und des Leids ist das zweifellos eine gute Nachricht - in erster Linie für die Menschen, die in der Region leben. Sie können jetzt damit beginnen, ohne Raketenhagel und Luftangriffe in den Alltag zurückzufinden. Arbeiten, zur Schule gehen, mit Freunden treffen. Das klingt nach Selbstverständlichkeiten. Doch was ist schon selbstverständlich im Nahen Osten, wo Angst, Hass und Krieg allzu oft das Miteinander infrage stellen, ja unmöglich machen? Herzlich wenig. Aber vielleicht bringt der aktuelle Gaza-Konflikt und sein zumindest vorläufiges Ende die gegnerischen Parteien zur Besinnung. Vielleicht wendet sich das Blatt nun endlich zum Guten. Nutzt die Chance, möchte man - wieder einmal - den Kontrahenten zurufen. Frieden ist machbar, Herr Nachbar!

Waffenruhe in Nahost
Im Gaza-Streifen entlud sich die Erleichterung über die Waffenruhe lautstark. Die Palästinenser feiern die Waffenruhe als Sieg über Israel.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: Reuters
21.11.2012 22:16Im Gaza-Streifen entlud sich die Erleichterung über die Waffenruhe lautstark. Die Palästinenser feiern die Waffenruhe als Sieg...

Schön wär's. Die bitteren Realitäten des Nahen Ostens lehren allerdings etwas anderes: Die Feuerpause ist wohl nur eine Verschnaufpause, das Aufatmen ein Durchatmen. Mehr von dieser Waffenruhe zu erwarten, hieße, die Augen vor den Gegebenheiten zu verschließen. Und die machen bei nüchterner Betrachtung wenig Hoffnung auf eine Dauerlösung in absehbarer Zeit. Das hat vielerlei Gründe.

In Nahost droht ein neuer Krieg
Ein israelischer Soldat ruht sich aus und hört Radio. Seit Mittwoch den 21. November besteht eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas.Weitere Bilder anzeigen
1 von 73Foto: AFP
22.11.2012 17:54Ein israelischer Soldat ruht sich aus und hört Radio. Seit Mittwoch den 21. November besteht eine Waffenruhe zwischen Israel und...

Da ist zunächst das gegenseitige Misstrauen, der unvorstellbare Zorn. Viele Palästinenser und Israelis kennen nichts anderes als den Konflikt. Sie sind sich sicher, dass der Eine dem Anderen grundsätzlich Böses will. Im Gazastreifen und im Westjordanland wachsen die Kinder mit propagandistischen Schulbüchern auf, die Israelis - und alle Juden gleich mit - als zionistische Teufel verunglimpfen. Nach den jüngsten Luftangriffen auf den Gazastreifen sehen sich nicht nur die Extremisten der Hamas bestätigt, dass die Regierung in Jerusalem einzig und allein die Vernichtung ihres Volkes im Sinn hat. Der gestrige Anschlag auf einen Bus in Tel Aviv hat wiederum hat sogar gutwilligen Israelis erneut deutlich gemacht: Der mörderische Terror ist nicht nur im Grenzgebiet eine tödliche Bedrohung, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch vor der eigenen Haustür. Wie soll es auf dieser Grundlage ein Einvernehmen geben, das Bestand hat? Wer dies dennoch für möglich hält, muss schon ein begnadeter Verdrängungskünstler sein.

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