Meinung : Nahost-Gipfel: Die letzte Chance - für Clinton

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"Wir sollten uns keine Illusionen machen", hat Bill Clinton gesagt. Da hat er Recht. Die offizielle Formulierung lautet, es gehe jetzt gar nicht mehr um den Friedensprozess, sondern darum, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass irgendwann und irgendwo der Frieden wieder erwachen kann. Die eilig anberaumte Zusammenkunft am Roten Meer ist für eine Partei tatsächlich die letzte Chance: Bill Clinton reist in der Abenddämmerung seiner Präsidentschaft nach Ägypten. Viel einzubringen hat er nicht. Der scheidende Amtsinhaber wird vor allem auf seine legendäre Überzeugungskraft setzen und auf jene Last der Geschichte, die er selbst dieser Tage so allgegenwärtig spürt. Nur mit Mühe hat Clinton in den vergangenen Konfliktwochen die Balance bewahrt, die ihn in die Lage versetzt, weiter den ehrlichen Makler zu spielen. Und dies ist denn auch der Punkt, an dem es nicht nur um die letzte Chance des Mannes aus Arkansas geht, sondern auch um die wohl letzte Gelegenheit, Amerika in seiner Rolle als Mittler einzubringen. Denn die beiden, die Clinton nachfolgen wollen, Bush und Gore, sehen sich beide als Anwalt Israels. Amerika verliert die Geduld. Für den Nahen Osten ist das schlecht. Für einen Krisengipfel aber gut.

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