Meinung : Nahost-Konflikt: Libanesische Logik

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Was will Ariel Scharon? Der israelische Ministerpräsident hat bisher keinen konkreten Plan vorgelegt, der über die Forderung nach einem "totalen Gewaltstopp" hinausgeht. Das einzige, was er erreicht hat, ist eine Zuspitzung - und zwar in dreifacher Hinsicht: zwischen Israelis und Palästinensern, in der israelischen Regierung, aber auch auf palästinensischer Seite. In Reaktion auf islamistische Terrorakte und den "Tanzim"-Beschuss rücken israelische Panzer erneut in das Autonomiegebiet ein, um den Palästinensern zu demonstrieren, wer der wirkliche Machthaber ist. Doch diese zeigen sich unbeeindruckt, sehen sich nur in ihrem Hass auf Israel bestärkt und in ihrer zunehmenden Sympathie für die islamistischen Attentäter. Die Flitterwochen zwischen Scharon und Peres sind endgültig vorüber, weil der Außenminister unter allen Umständen verhandeln will, Scharon aber jeder Vorwand recht ist, um sich schon um die Vorstufe von Verhandlungen zu drücken. Auf der palästinensischen Seite rücken Jassir Arafats Fatah-Bewegung und "Tanzim"-Truppen immer näher an die Islamisten von "Hamas" und "Islamischem Jihad". Eine militärische Koordination findet wohl bereits statt. Wenn Scharons all dies will, dann ist klar: Er würde in diesem Fall mittels gezielter Eskalation die moderaten Elemente an seiner Seite ausschalten und die Gegenseite radikalisieren, um eine rein militärische Lösung des Konfliktes anzustreben. Genau wie damals im Libanon - und daran würde er genau wie damals scheitern.

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