Meinung : Nahost-Konflikt: Sie nehmen es persönlich

Stephan-Andreas Casdorff

So ist es immer und immer und immer wieder: Einer drückt auf einen Knopf, und irgendwelche Palästinenser verüben ein Attentat. Dann drückt Arafat auf einen Knopf, und heraus kommt eine Erklärung, in der er das Attentat verurteilt. Anschließend veröffentlichen die Europäische Union und ihre Partnerstaaten die Stellungnahme - die sie auf Taste liegen haben -, und fordern, nun müsse aber endgültig alles getan werden, um aus dem Kreislauf der Gewalt auszubrechen. So ist es immer. Auch jetzt, beim Anschlag in Jerusalem. Nur eines ist diesmal anders, wirklich ganz anders: Israel macht nicht irgendwelche Palästinenser verantwortlich, auch nicht die Palästinenserbehöre, sondern Arafat. Ihn persönlich. Eine ultimative Eskalation - für Arafat. Das Ende seiner Amtszeit steht vor der Tür.

Es geht inzwischen nur noch um Worte und Taten. Und Israel misst Arafat nachvollziehbar nur noch an seinen Taten. Was seine Worte wert sind, hat sich ja gerade gezeigt: Arafat hat einen Tag vor dem neuerlichen Attentat ein Ende der extremistischen Gewalt gefordert. Selbst wenn er es ernst meinen sollte - er hat offenbar keine Wirkung mehr. Und er ist für keine Regierung Israels mehr glaubwürdig. Darin ist sich die politische Klasse dieses Landes einig. Die Einigkeit reicht über Verteidigungsminister Ben-Elieser, den Chef der Sozialdemokraten, hinaus. Sie hat schon knapp Schimon Peres erreicht; dessen Enttäuschung über den, der mit ihm den Friedensnobelpreis teilt, ist groß.

Groß ist sie auch in der westlichen Welt, die Arafat lange gestützt hat; zu groß, um ihm noch länger Chancen zu geben, die er doch nicht nutzt. EU-Außenrepräsentant Solana hat sein schlechtes Urteil über Arafats Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit vor kurzem nur noch knapp verhüllt. Jassir Arafats Darstellung, er sei allein Opfer sich ausdehnender israelischer Eskalation, wird nicht mehr ernst genommen, spätestens seitdem der Frachter "Karine A" mit Waffen für die Autonomiegebiete aufgebracht wurde - und Arafat anschließend öffentlich behauptete, er habe Baumaterial aus Rumänien für Israel transportiert. Hinzu kommt, dass die USA, an der Spitze Präsident Bush, inzwischen, nach Wochen harter Kritik an Scharon, hinter den Kulissen auf dessen Kurs der Härte einschwenken. Da wird es schwierig für Vermittler.

Wohl wichtiger noch als die amerikanische Position ist, dass sich die arabische Welt von ihrem Bruder Arafat abzuwenden beginnt. Kein Wort der Unterstützung kam in schwieriger Zeit aus Jordanien und Saudi-Arabien, und Syriens Assad schickt auf dem Umweg über die USA Freundlichkeiten nach Israel. Ägyptens Präsident Mubarak soll sich außerdem seit einem Monat weigern, Arafat zu treffen.

Scharons Ziel dagegen ist klar, niemand dürfte überrascht sein. Er hat es klar formuliert und verfährt danach: Kein roter Teppich mehr für den PLO-Führer, nur noch Isolation, bis die Gewalt sich wendet, bis die Verantwortlichen von Hamas und Dschihad und aus der Fatah mindestens gefangen sind. Und bis die Mörder des israelischen Tourismusministers Seewi gefasst sind. Das wollte Scharon schon im letzten Jahr - um dann mit anderen Palästinensern über den Weg zum Frieden zu sprechen. Vielleicht mit dem PLO-Vertreter in Jerusalem? Es gibt bereits Annäherung auf vielen Ebenen. Scharon muss ja seinen Worten auch Taten folgen lassen. In seiner Gesellschaft besteht über den Wunsch nach Frieden - und sei die Lösung wie auf Zypern - auch Einigkeit. Bis in die konservative Partei hinein.

So ist die Lage, weil Arafat sich politisch nicht bewegen wollte, nicht bei den Gesprächen in Camp David mit den entgegenkommenden Clinton und Barak, nicht danach. Er will nichts anderes als einen Staat Palästina nach seinen Vorstellungen, mit Jerusalem als Hauptstadt und mit dem Recht auf Rückkehr für alle Flüchtlinge.

Jetzt kann Arafat sich nicht mehr bewegen. Er hat den Showdown gesucht. Israelische Panzer stehen vor seinem Haus. Unbeschadet kommt er nur noch ins Exil.

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