Meinung : Nahost-Konflikt: Stoppschild

clw

Selten hat sich ein israelischer General so schnell an seinen Worten verschluckt: Wenn nötig, werde man Monate in Gaza bleiben, hatte Yair Naveh am Dienstag gesagt. Wenige Stunden später waren seine Truppen auf dem Rückmarsch. Der große Bruder in Washington hatte gebrüllt. Außenminister Colin Powell nannte die israelische Invasion "exzessiv und unangemessen". Und Premier Scharon kuschte. Dennoch: Der Nahostprozess steckt in einer tödlichen Sackgasse. Dahin hat ihn nicht etwa Scharon, sondern Arafat manövriert. Der setzt auf Eskalation, lässt weiter Dörfer in Israel beschießen. Eine Kriegserklärung, die Scharon beantworten musste. Er hat Arafat gezeigt, dass er das ritualisierte Spiel nicht mehr mitmacht: Anschläge in und Granaten auf Israel - begrenzte Aktionen auf palästinensischem Territorium. Positiv ist, dass sich die USA in der Region zurückgemeldet haben. Israel bekommt zu viel Militärhilfe aus Washington, als dass es die Schutzmacht verärgern dürfte. Nur: Wer bremst Arafat? Da ist die EU gefragt, die ihre Hilfsgelder an Bedingungen knüpfen muss: Ende der Gewalt. Und dann ist es Zeit, dass die USA wieder gestaltend eingreifen. Nur "Stopp" zu rufen, ist auf Dauer zu wenig.

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