Meinung : Napoleons Gene

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Das ist wieder typisch Sarkozy: Im Alleingang entscheidet der französische Finanz und Wirtschaftsminister, mit Steuererleichterungen den hohen Ölpreis abzufedern. Obwohl er zusammen mit seinen EU-Kollegen verabredet hatte, genau dies nicht zu tun. Schließlich kann das den Wettbewerb verzerren unter den EU-Ländern. Aber für Nicolas Sarkozy zählt generell weniger, ob sich die Nachbarn mit ihm gut verstehen oder seine Maßnahmen wirtschaftlich Sinn machen. Viel wichtiger ist ihm, dass die französischen Wähler ihn mögen. Und die finden es toll, dass der Finanzminister ihnen ständig zur Seite steht. Sarkozy zwang die französischen Supermarktketten dazu, ihre Preise zu senken – damit die Franzosen mehr einkaufen. Und er findet, dass der Staat sich einschalten muss, wenn es um die Fusion zweier großer Pharmafirmen geht: Sanofi schluckte Aventis, die Zentrale steht jetzt in Paris, und der Großteil der Arbeitsplätze wird hierzulande abgebaut. Dass Sarkozy deswegen die Wut von Schröder auf sich zog, kümmert ihn ebenso wenig, wie die Kritik der EU-Kollegen jetzt. Denn der in Frankreich sehr beliebte Politiker hat ganz anderes als Europa im Sinn. Schon in zwei Wochen wird er nicht mehr Finanzminister sein, sondern Vorsitzender der konservativ-liberalen Regierungspartei UMP. Das heißt aber nicht, dass die europäischen Politiker ihn dann los wären. Im Gegenteil: Sarkozy will 2007 Präsident Frankreichs werden. Und deshalb tut er jetzt schon mal alles, um sich zu Hause beliebt zu machen. Auch wenn es populistisch ist. fw

Seiten 1 und 18

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