Meinung : Nationaler Ethikrat: Legitimation durch Langsamkeit

bul

Wer befürchtet hatte, dass des Kanzlers Nationaler Ethikrat nur der Turbo-Legitimierung für die Gentechnik dient, darf zunächst beruhigt sein. Wolfgang Clement, der von seiner Israel-Reise am liebsten ein paar embryonale Stammzellen im Handgepäck mit nach Düsseldorf gebracht hätte, hat den Import verschoben. Mit Rücksicht auf den Ethikrat, wie er sagte. Und wohl mit Rücksicht auf den Kanzler, der sonst seinen Rat noch vor der Konstituierung hätte auflösen können. Auch die deutsche Forschungsgemeinschaft möchte den Antrag auf Stammzellenimport zurückstellen. Ebenfalls mit Rücksicht auf den Rat, dem auch ihr Vorsitzender Winnacker, angehört. Was immer der Kanzler ursprünglich im Sinn hatte - derzeit funktioniert der Ethikrat eher als Entschleuniger. Auch an den gestern gewählten Vorsitzenden dürften alle Durchmarschillusionen zerstieben. Zumal sich zuletzt so etwas herausgebildet hat wie ein Nationalstolz auf Langsamkeit. Man will sich vom Ausland nicht hetzen lassen. Ohnehin wird am Ende nur parlamentarisch entschieden und das heißt vermutlich: in der nächsten Legislaturperiode. Heute hat sich der Ethikrat konstituiert. Eine Ressource, die guter Rat braucht, hat er bekommen: Zeit.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben