Nato und Türkei : Viel zu verlieren

Das Knirschen der Zähne von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen muss auch in Ankara zu hören gewesen sein. Natürlich könne die Türkei auf die Solidarität der Nato vertrauen, gab der Däne im Hauptquartier des Bündnisses zu Protokoll. Man habe alle Pläne, um die Türkei nötigenfalls zu beschützen und zu verteidigen. Doch in Wahrheit ist der Bürgerkrieg in Syrien ein Reizthema für die westliche Allianz. Die Beistandserklärungen entsprechen dem Selbstverständnis der Nato, die sich als kollektives Verteidigungsbündnis sieht – emotional unterfüttert sind sie nicht. Unter den 28 Mitgliedsstaaten gibt es keine Neigung, sich militärisch in der hochexplosiven Region zu engagieren. Umso glaubhafter klingt deshalb Rasmussens beinahe flehender Nachsatz, er hoffe, dass alle Seiten Zurückhaltung zeigen. Das ist zwar in Richtung des Assad-Regimes gemeint. Doch darf sich auch die Regierung Erdogan angesprochen fühlen. Das Letzte, was das unter Sparzwang stehende und durch den jahrelangen, opferreichen Einsatz am Hindukusch ausgezehrte Bündnis gebrauchen kann, ist ein Engagement, in dem es wenig zu gewinnen, aber viel zu verlieren gibt. mis

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