Meinung : Natobündnis: Angst und Verantwortung - Die Grünen und der Gegenschlag

hmt

Wenn das Gefühl blanken Entsetzens nachlässt, stehen auch Parteien wieder vor der Frage, was der kommende amerikanische Schlag gegen Terroristen für sie bedeutet. Von allen deutschen Parteien sind die Grünen da am meisten herausgefordert, und wohl deshalb ist ihr Parteiratsbeschluss zur Erklärung des Nato-Bündnisfalls so windungsreich. Der Antwort, wie sich die Bundeswehr an einem Gegenschlag beteiligen soll, weichen sie aus. Aber soll man eine Partei für ihre Geschichte schelten? Als Kind der Friedensbewegung haben die Grünen früher das deutsche Angstpotenzial kanalisiert und auch antiamerikanische Ressentiments gepflegt. Inzwischen haben sie gelernt. Im Moment empfinden viele Deutschen wieder, wie in den 80er-Jahren, Furcht vor einer Zukunft, die sie selbst nur wenig beeinflussen können. Die Grünen stellen deshalb nicht nur "grüne" Fragen. Es spricht aber viel dafür, dass sie auch in dieser neuen Lernphase deutscher Außenpolitik ihrem Minister Joschka Fischer folgen werden. Als Gegner der Gewalt können sie sich nicht nur damit trösten, dass eine rot-grüne Regierung ihren Anstößen in der internationalen Politik mehr Gewicht geben kann als jede andere. Indem sie den Ängsten ein Forum geben und gleichzeitig vor der Aufgabe nicht kneifen, verhindern sie auch, dass die deutsche Gesellschaft sich wieder spaltet in angebliche Friedensfreunde und angebliche Kriegstreiber. Vielleicht ist das auch ein Beitrag zu jener größeren Verantwortung, der sich die Berliner Außenpolitik nun stellen muss.

0 Kommentare

Neuester Kommentar