Naumann und Beck : Kalt genossen

Mit seiner Wahlkampfunterstützung in Hamburg hat Kurt Beck sich einen Feind fürs Leben gemacht: den Spitzenkandidaten Michael Naumann.

Stephan-Andreas Casdorff

So macht man sich Feinde fürs Leben, so wie Kurt Beck in Hamburg, als er dummerhaft in einen Wahlkampf fuhr. Gleichviel, ob die SPD nun 36 oder 37 oder 38 Prozent bekommen hätte, ihr Gefühl in der Stadt war, dass sie hätte regieren können. Darum war Michael Naumann nach der Wahl nicht willens, Beck die Hand zu schütteln.

Das hält bis heute an. Sagen wir mal: Rache wird kalt genossen. Erst der Brief, den sich in seiner Klarheit Beck hinter den Spiegel stecken kann, dann jetzt die Unterstützung für eine Urwahl des Kanzlerkandidaten – Freunde werden die beiden nicht mehr. Sie sind da eher Parteifreunde.

Das aber macht es für Beck gefährlicher, als manche meinen könnten. Naumann hat nichts zu verlieren, aber für die Partei viel gewonnen. Die steht zu ihm. Und weil er denken und reden kann, erwächst Beck in ihm einer, dessen Trachten womöglich darauf zielt, den Parteichef als Kanzlerkandidaten zu verhindern. Wenn er auch sonst nichts mehr will, es sieht so aus, als wolle Naumann das. Frei wie er ist, kann er frei sprechen – und zum Sprecher all der Unzufriedenen werden, der Netzwerker und der Seeheimer. Beck wird jetzt seine Freunde kennenlernen. Und seine Parteifreunde. (cas)

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