Meinung : Negative Helden

„Wort und Mord“ vom 29. Juli

Zu 95 Prozent sind Knastinsassen Männer, zu 99 Prozent sind Attentäter Männer.

Als 68erin hatte ich mich sehr geärgert, dass Andreas Baader als (negativer) Held so hochgejubelt wird, von der „Zeit“ bis zu der „Bild“. Als hätten wir nicht andere Ideale: Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit. Und Idole: Gandhi, Martin Luther King, Che Guevara, Ho Che Minh. Alle stürzten sich auf den Großmaulhosenscheißer aus München!

Was macht Männer so interessant, wenn sie töten? Ganz anders als tötende Frauen, die unheimlich sind, haben Mörder den Touch des Helden. Es ist keine Frage von rechts und links. Jede (extreme) Richtung bei den an und für sich gesellschaftlich akzeptierten Parteien oder Religionen bringen diese (Männer-)Monster hervor. Die gute Seite der Männer jedoch wird nicht dargestellt. Die auch mal mit Kittelschürze rumlaufen und sich um Babyschnuller kümmern, die jeden Morgen aufstehen und pünktlich zur Arbeit gehen. Über die Männer, die keine Attentate begehen, berichten die Medien allerhöchstens gelangweilt und haben ein Gutteil Mitschuld daran, dass diese Extremen ein Auditorium haben. Anders B. ist das Gleiche in Braun, was Andreas B. in Rot war! Übrigens, beide haben ähnliche Bücher gelesen. Aber es liegt nicht an den Büchern, ich habe diese Bücher auch gelesen! Aber ich bin ja auch nur eine Frau…

Jenny Schon, Berlin-Schmargendorf

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