Nelson Mandela : „Ich fühle mich wie ein junger Mann“

Niemand wird in Südafrika mehr geliebt als Nelson Mandela, der große Versöhner und Friedensnobelpreisträger. Zum WM-Eröffnungsspiel wird der inzwischen 91-Jährige wohl nur kurz ins Stadion kommen.

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Der 15. Mai 2004 hat sich tief in das kollektive Gedächtnis der Südafrikaner eingebrannt. Um 12.28 Uhr öffnete Fifa-Präsident Sepp Blatter damals den überdimensionierten Briefumschlag und entnahm ihm, provozierend langsam, die Karte mit dem Ausrichter der WM 2010. Noch während er die Worte „South Africa“ sprach, fiel das Land am Kap in einen beispiellosen Freudentaumel. Selbst die südafrikanische Delegation am Fifa-Stammsitz in Zürich war minutenlang kaum zu bändigen. Nur ein einziger Mann bewahrte selbst damals, inmitten der grenzenlosen Begeisterung, Ruhe und Übersicht: Ex-Präsident Nelson Mandela.

Dabei hatte er, der extra aus dem Ruhestand nach Zürich angereist war, durch seine Präsenz, aber weit mehr noch durch seine Politik der Aussöhnung, wie kein anderer zum Erfolg der südafrikanischen Bewerbung beigetragen. Kurz streckte auch Mandela seine Arme in die Höhe und sagte: „Ich fühle mich wie ein junger Mann. Und hoffe, dass diese WM unser Land weiter zusammenführen kann.“ Dann kondolierte er der erfolglosen afrikanischen Konkurrenz aus Marokko und Ägypten. Es war Mandela wie man ihn kennt: Selbst im Moment des größten Triumphs hat er stets ein tröstendes Wort für den Verlierer.

Der große Versöhner, inzwischen 91 Jahre alt ist, wird wohl nur zum Eröffnungsspiel einmal kurz ins Stadion kommen – zum Anstoß. Denn die Winternächte am Kap sind lang und kalt. Den Rest des Turniers wird er dann wegen seiner zunehmenden Gebrechlichkeit wohl von seinem Haus in Johannesburg aus verfolgen. Doch selbst die paar Minuten im Stadion werden die Welt und die Nation verzücken: Denn niemand wird im Land mehr geliebt als der Gründervater des modernen Südafrika.

Inzwischen ist sein Gang gebrechlich und langsam geworden, meistens muss er sich auf die Arme von Begleitern oder seiner Frau Graca stützen, der Witwe des mosambikanischen Präsidenten, die er vor zwölf Jahren heiratete. Die Arthrose nagt an seinen Kniegelenken, doch im Gesicht sieht man Mandela seine 91 Jahre nicht an: Er hat noch immer heitere, unbesiegte Augen. Vielleicht zum letzten Mal ehrt Südafrika ihn und seine historische Leistung nun im Rahmen der Fußball-WM. Zur Korruption und Arroganz seiner Nachfolger schweigt Mandela. Doch viele hoffen, dass er Südafrikas Nationalteam noch einmal zu einer Großtat auf dem Rasen inspirieren kann. Wolfgang Drechsler

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