Netanjahu in Griechenland : Neuer Makler gesucht

Griechenlands Premier Papandreou ist klug genug, angesichts der schweren Krise in den türkisch-israelischen Beziehungen nicht in Euphorie zu verfallen. Er weiß: Die Spannungen zwischen Jerusalem und Ankara, die 2002 mit dem Amtsantritt der islamisch-konservativen Regierung Erdogan begannen und Ende Mai wegen des israelischen Angriffs auf die türkische Gaza-Hilfsflotte zum Bruch führten, gefährden die Stabilität im Nahen Osten. Daran kann Griechenland kein Interesse haben. Papandreou dürfte als Realist auch wissen, dass sein von einer schweren Finanzkrise gebeuteltes Land jetzt nicht mit der Türkei um die Rolle einer regionalen Führungsmacht rivalisieren kann. Dennoch sieht der Athener Premier die Chance, die von Erdogan selbst aufgegebene Rolle eines Vermittlers zwischen Israel und den Palästinensern zu übernehmen. Dafür mag Griechenland geografisch vielleicht nicht so gut positioniert sein wie die Türkei, politisch aber schon: Das Land genießt traditionell das Vertrauen der Araber, ohne sich, wie Erdogans Türkei, mit dem Iran und der Hamas zu verbrüdern. Zugleich ist Griechenland viel tiefer in Europa verankert als die Türkei. Auch das gibt der Athener Regierung Autorität. öhl.

0 Kommentare

Neuester Kommentar