Netanjahu–Lieberman : Zur Sache, Schätzchen

In Deutschland herrscht schon Aufruhr, wenn Angela Merkel und Guido Westerwelle mal unterschiedlicher Meinung sind. Ein Blick nach Israel rückt die Perspektive gerade. Dort haben der Ministerpräsident und der Außenminister wirklich Krach.

von

Normal ist, wenn die Herrschenden trotz dicker Skandale niemals zurücktreten. Deutsch ist, wenn die Herrschenden ohne Skandale en masse zurücktreten. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive, Relation und Dimension. Anderes Beispiel: Koalitionskrise. Wenn Angela Merkel und Guido Westerwelle unterschiedlicher Meinung über die Höhe der Mehrwertsteuer für Hoteliers sind, wittert die halbe Republik gleich Neuwahlen. Zur Abkühlung hilft vielleicht ein Blick in die kleinste größte Demokratie der Welt – nach Israel. Dort regieren zwei Alphatiere miteinander, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Außenminister Avigdor Lieberman. Und die haben wirklichen Krach. Hart, laut, kompromisslos. Liebermans Kabinettskollegen haben am Wochenende den Haushalt abgelehnt, er selbst hat einen Gazaplan vorgelegt, der erstens ein radikaler Bruch mit der bisherigen Regierungspolitik ist und zweitens mit Netanjahu nicht abgesprochen war, außerdem hat er, erneut ohne Zustimmung Netanjahus, einen UN-Botschafter ernannt sowie einen Gesetzentwurf zur Gültigkeit von Konversionen eingebracht, der sehr orthodox ist und die Juden in der Welt spalten würde. Beide Seiten versichern einander, die Koalition nicht platzen lassen zu wollen. Doch ihre Kontroversen berühren die Substanz. Das Wort „Krise“ klingt hier fast beschönigend.

Autor

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben