Netanjahus Regierungsbildung : Ganz der Alte

Benjamin Netanjahu ist ein echtes Cleverle. Kein Mensch rechnete nach den Wahlen ernsthaft damit, dass Israels alter und wohl auch neuer Premier sich bemüßigt fühlen könnte, dem Nahost-Friedensprozess noch eine Chance zu geben. Zu konfrontativ, zu ideologisch – mit „Bum-Bum-Bibi“ sei einfach kein Palästinenserstaat zu machen. Und nun das! Der 63-Jährige holt die „Friedenstaube“ Zippi Livni in seine Koalition. Sie soll als künftige Justizministerin auch für Gespräche mit den Palästinensern zuständig sein. Livni gilt zudem als Gegnerin des Siedlungsbaus – man reibt sich die Augen. Entdeckt Netanjahu seine weiche Seite? Gemach. Israels Ministerpräsident ist ganz der Alte. Als gewiefter Taktiker weiß er, wie man zu agieren hat, um kraftraubende Kämpfe zu vermeiden. Zum einen gilt es, eine Koalition auf die Beine zu stellen. Da ist es hilfreich, sich alle Optionen offenzuhalten. Zum anderen wird Barack Obama bald Israel besuchen, im Gepäck hat er womöglich einen neuen Friedensplan. Und mit dem wichtigsten Verbündeten möchte es sich selbst Netanjahu nicht endgültig verderben. Also setzt das Cleverle auf den Faktor Zeit. Denn bald wird es im Nahen Osten wieder heißen: Alles wie gehabt. Ch.B.

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