Neue Leiterin des German Marshall Fund : Karen Donfried - die Deutschland-Expertin

Karen Donfried ist die neue Leiterin des German Marshall Fund. Damit ist erstmals eine Frau an der Spitze des renommierten US-Thinktanks.

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Karen Donfried, neue Leiterin des German Marshall Fund.
Karen Donfried, neue Leiterin des German Marshall Fund.Foto: GMF

Sie steht für Aufbruch und zugleich für Rückkehr zu den Wurzeln. 42 Jahre nach der Gründung führt erstmals eine Frau den German Marshall Fund of the United States (GMF). Den renommierten Thinktank mit enormer internationaler Reichweite hat Karen Donfried in einer schwierigen Stimmungslage übernommen. Die Empörung über die Datensammelaktivitäten der NSA droht andere Themen der deutsch-amerikanischen Beziehungen zu vergiften. In den USA wiederum gilt die außenpolitische Neugier derzeit eher Asien als Europa. China wird die USA in den nächsten Jahren als größte Volkswirtschaft ablösen.

Die 51-Jährige hat ihr ganzes Leben den deutsch-amerikanischen Beziehungen gewidmet, spricht anders als ihr Vorgänger Craig Kennedy fließend Deutsch, hat in München und Boston studiert, war Deutschland-Expertin im Forschungsinstitut des Kongresses, arbeitete im Planungsstab des amerikanischen Außenministeriums und war zuletzt Präsident Obamas Beraterin für Europafragen. Zwischen diesen Stationen war sie bereits zwei Mal für mehrere Jahre beim GMF, der seine Zentrale in Washington hat und Büros in Berlin, Brüssel, Paris, Warschau, Bukarest, Belgrad, Ankara und Tunis unterhält. Der thematische und organisatorische Ausbau des GMF war zum Gutteil ein Verdienst von Donfrieds Vorgänger. Er steuerte den GMF auch ohne größere Verluste an Stiftungskapital durch die Finanzkrise. Bei manchen löste Kennedys energische Globalisierung freilich die Sorge aus, die Ursprungsidee gerate aus dem Blick.

Das Gründungskapital hatte Willy Brandts Regierung 1972 zum 25. Geburtstag des Marshall- Plans gestiftet: als Dank für die Hilfe, die Deutschland den Wiederaufstieg als Wirtschaftsmacht ermöglicht hatte, sowie mit dem Auftrag, die deutsch-amerikanischen Beziehungen zu stärken und auf das Ziel eines „ungeteilten, freien und friedlichen Europa“ hinzuarbeiten. Donfried nannte diesen Ansatz bei der Eröffnungsfeier des Berliner Büros nach dessen Umzug in die Voßstraße einen „Geniestreich“ und möchte den Fokus wieder stärken. Das bedeute nicht, das Themenfeld einzuschränken, sondern die Themen „durch eine transatlantische Linse“ zu betrachten. Zudem möchte sie mehr Bewusstsein für „Deutschlands zentrale Rolle in Europa“ von der Ukraine und dem Umgang mit Russland bis zu Finanzmarktfragen wecken und die nächste Generation intensiver in den Austausch einbeziehen.

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