Neue Regierung im Irak : Mit knirschenden Zähnen

In das Ende der politischen Rekordkrise von Bagdad mischen sich bereits Zweifel an der künftigen Führungsmannschaft. Doch diese neue Regierung ist für die Menschen momentan die beste Lösung.

Martine Gehlen

Es ist geschafft, kurz vor Jahresschluss hat der Irak endlich die Kurve gekriegt. Die neue Regierung steht – in weiten Teilen zumindest. Doch in die Erleichterung über das Ende dieser politischen Rekordkrise von Bagdad mischen sich bereits Zweifel an der künftigen Führungsmannschaft. Zwar wird der alte und neue Regierungschef Nuri al Maliki nicht wie 2006 einen Mörder zum Kultusminister machen. Doch schon kurz nach dem Vertrauensvotum des Parlaments machten er und seine Umgebung deutlich, dass sie mit Können und Charakter von manchen Mitspielern in der neuen Mannschaft wenig glücklich sind. Man habe viele Augen zudrücken müssen, heißt es mit knirschenden Zähnen. Dennoch ist diese neue Regierung der Nationalen Einheit für die Menschen im Zweistromland momentan die beste Lösung. Sie beteiligt das gesamte politische Spektrum an der Macht und beugt so dem Wiederaufflammen blutiger Bürgerkriegsjahre vor. Allerdings hat diese nationale Verbrüderung auch ihren Preis. Denn das 42-köpfige Kabinett versammelt nicht „die Besten und Klügsten“ aus Mesopotamien, sondern ist das Ergebnis fauler Kompromisse und nebeligem Personalgeschacher. Und so humpelt das gebeutelte Land nun in den nächsten Abschnitt seiner Post-Saddam-Geschichte.

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